Kastration und Sterilisation

25.03.15

Wenn es darum geht Hunde oder Katzen zu kastrieren, verwechseln viele Halter die Kastration mit der Sterilisation. Bei beiden Eingriffen handelt es sich um operative Maßnahmen an den Geschlechtsorganen. Trotz allem unterscheiden sich die beiden Maßnahmen stark voneinander. Ich erkläre im heutigen Beitrag die Unterschiede.

Die Kastration – Was wird gemacht?

Bei der Kastration werden bei Rüden die Hoden und bei Hündinnen die Eierstöcke vollständig entfernt. Durch die Entfernung wird das natürliche Sexualverhalten aufgrund der operativen Entfernung der Keimdrüsen komplett unterbunden.

Die Sterilisation – Was wird gemacht?

Bei der Sterilisation (Unfruchtbarmachung) wird im Grunde nichts entnommen. Sowohl Hoden als auch Eierstöcke bleiben weiterhin erhalten. Während der Sterilisation werden bei Hündinnen lediglich die Eileiter und bei Rüden die Samenleiter durchtrennt. Die Keimdrüsen bleiben damit bestehen, sodass die Produktion von Geschlechtshormonen ganz normal weitergeht. Durch die Durchtrennung der Keimwege wird Hunden ausschließlich die Fähigkeit zur Fortpflanzung genommen. Ansonsten bleibt alles gleich.

Bei der Sterilisation kann es zu diversen Nachteilen kommen. Bei Hündinnen ist eine Scheinträchtigkeit möglich, Eierstöcke neigen zur Entartung, aufgrund einer Überfunktion der Eierstöcke ist Fellausfall denkbar und Gebärmutter-Vereiterungen sind ebenfalls möglich. Zudem steigt das Risiko einer Zystenbildung der Eierstöcke.

Wo liegen die Unterschiede?

Im Vergleich zu kastrierten Tieren, bei denen die sexuelle Aktivität stark abnimmt, sind sterilisierte Tiere gleichermaßen sexuell aktiv, wie vor dem operativen Eingriff. Lediglich die Zeugungsfähigkeit besteht nicht mehr. Sexualhormone werden auch nach der Sterilisation weiterhin gebildet. Einer der wohl markantesten Unterschiede besteht zudem darin, dass eine Sterilisation keinen Einfluss auf Körperentwicklung oder Verhalten des Tieres hat.

Ein weiterer Unterschied wird vor dem Tierschutzgesetz gemacht. Da bei der Kastration Gewebe entnommen und dies als Amputation eingeordnet wird, ist die Kastration verboten. Diese ist bei der Sterilisation nicht der Fall, weil kein Gewebe entnommen wird. Weitere Infos dazu in meinem Beitrag zum Thema „Kastration beim Hund – Vor- und Nachteile„.

Sterilisierte Hündinnen werden weiterhin ganz normal läufig und haben ihre Blutungen. Zudem bleiben die gesundheitlich Risiken, die mit der Läufigkeit in Verbindung gebracht werden, bestehen. Auch bei sterilisierten Rüden bleiben gesundheitliche Risiken bestehen und hormonell bedingtes Verhalten ändert sich nicht.

Was kostet eine Sterilisation?

Generell ist die Sterilisation bei Hündinnen teurer als bei Rüden, weil der Eingriff bei Weibchen komplizierter ist. Da Tierärzte an die Gebührenverordnung gebunden sind, darf sich der Preis nur in einem bestimmten Rahmen bewegen. Laut Verordnung liegt für die Sterilisation bei Hündinnen der 1-fache Satz bei 143,16 Euro. Da Tierärzte bis zum 3-fachen Satz berechnen dürfen, könnte der Höchstsatz bis zu 429,48 Euro betragen. Bei Rüden sieht es folgendermaßen aus:

  • 1-fach: 45,81 Euro
  • 2-fach: 91,62 Euro
  • 3-fach: 137,43 Euro

Die Beträge stammen von der Gebührenordnung (gültig ab Juli 2008) der Bundestierärztekammer.

Falls ihr weitere Fragen habt, gerne über die Kommentare mitteilen. Ansonsten hoffe ich, dass dieser Beitrag etwas Klarheit in die Sache bringt ; )

2 Kommentare für “Unterschiede zwischen Kastration und Sterilisation”

  1. Sandra Müller

    Ich bitte um dringende Änderung des Absatzes, in dem steht, dass die Kastration verboten ist. Das ist vollkommen falsch. Die Kastration ist ein Routineeingriff in jeder Tierarztpraxis und verläuft in den meisten Fällen ohne Komplikationen!

    Antworten
    • Liebe Sandra,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe zunächst auch so reagiert wie du und war ziemlich überrascht über diese Infos. Aber nein, ich werde den Artikel nicht anpassen, da die Information nach wie vor stimmt. Ich gebe dir aber recht, dass ich es in diesem Artikel etwas ausführlicher hätte anschneiden müssen, damit hier keine Missverständnisse entstehen. Zunächst habe ich hier im Artikel auf einen weiteren Beitrag von mir hingewiesen. Schau mal, es geht um diesen Artikel hier: https://www.fello.de/kastration-hund-vor-und-nachteile/

      Dort bin ich bereits darauf eingegangen, dass das Tierschutzgesetz die Kastration zwar verbietet, aber dieses Verbot nicht gilt, wenn der Eingriff „nach tierärztlicher Indikation geboten ist“. So das Zitat aus dem Tierschutzgesetz.

      Aufgrund deines Kommentars habe ich jetzt nochmals recherchiert, das mein Beitrag ja auch schon einige Jahre alt ist.
      Hier habe ich einen Artikel vom Deutschen Tierschutzbund, der das Ganze bestätigt:

      https://www.tierschutzbund.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Positionspapiere/Heimtiere/Unfruchtbarmachung_von_Hunden.pdf

      In dem Schreiben vom April 2017 heißt es unter anderem zur Rechtslage:

      Nach der Systematik des Tierschutzgesetzes dürfen Tieren nur in eng definierten
      Ausnahmefälle Schäden zugefügt werden. § 6 des TierSchG verbietet die teilweise bzw.
      vollständige Entnahme von Organen, worunter auch die Kastration fällt.
      Die Kastration ist gesetzlich nur dann erlaubt, wenn sie im Einzelfall medizinisch indiziert
      ist oder zur Verhinderung einer unkontrollierten Fortpflanzung oder zur weiteren Haltung
      des Tieres notwendig ist.

      Du hast natürlich auch völlig recht damit, dass die Kastration dennoch längst ein Routine-Eingriff ist.
      Trotzdem bleibt die Tatsache des Tierschutzgesetzes bestehen. Im Dokument des Tierschutzbundes heißt es weiter:

      Das bedeutet, dass der Kastration eines Hundes – anders als bei der Katze, bei der eine
      Fortpflanzung auch bei entsprechender Aufsicht durch den Tierhalter nicht kontrolliert
      werden kann – aus rechtlicher Sicht immer eine Einzelfallentscheidung nach tierärztlicher
      Prüfung voranzugehen hat. Pauschale Kastrationen sind rechtlich unzulässig.

      Schau dir auch mal noch diesen Artikel hier an: https://www.fello.de/chemische-kastration-mit-suprelorin-implantat-der-hormon-chip-fuer-rueden/

      Könnte auch interessant sein, wenn du dich gerade mit dem Thema beschäftigst.

      Zum Schluss möchte ich noch anmerken: Ich war vor zwei Jahren für den Tierschutz in Rumänien und mir ist völlig bewusst, dass die Kastration ihre Daseinsberechtigung hat. Ohne Kastrationen wäre das Tierleid dort noch viel schlimmer. Auch meine Hündin ist kastriert (sie kommt aus Rumänien) und ich bin mir auch der Vorteile dessen bewusst. Schließlich sinkt unter anderem das Risiko für Tumore und Vereiterungen. Trotzdem finde ich es wichtig, dass man sich auch kritisch mit derartigen Eingriffen auseinandersetzen. Es ist und bleibt eine Operation und die sollte immer gut überlegt sein.

      Ich hoffe ich konnte damit etwas Klarheit schaffen und wünsch dir alles Liebe : )

      Viele Grüße,
      Gaby

      Antworten

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