Freundeskreis der Straßenhunde Campulung

04.06.16

Im dritten Teil der Artikelserie zum Förderverein „Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung e.V.“ erklärt die 1. Vorsitzende Elke Grafmüller im Interview, warum Straßenhunde in Rumänien ein großes Thema sind, wie viele Tiere sie mit ihrem Team bereits retten konnte und vieles mehr.

  1. Warum sind Straßenhunde in Rumänien ein so großes Thema? 

Das Problem Straßenhunde begann durch den Diktator Ceaucescu, der seine Landsleute schikanierte und unterdrückte. Er enteignete die Menschen und zwang diese in die von seinem Regime erbauten Wohnblocks zu ziehen. Dadurch waren die Menschen gezwungen ihre Hunde frei auf der Straße zu halten. Keiner dachte an Kastration, keiner hatte das Geld hierfür, das ging Jahrzehnte so…

Nach dem Sturz Ceaucescu waren natürlich erstmal andere Probleme im Land zu lösen, so dass es recht lange dauerte, bis etwas getan wurde. In dieser langen Zeit haben sich die Straßenhunde massiv vermehrt und sind somit zu einem großen Problem geworden.

Mittlerweile ist es allerdings so, dass nicht die Straßenhunde das Problem sind, denn hier wurde in den letzten 15 Jahren doch sehr viel, meist von deutschen Organisationen getan. Sondern die privat gehaltenen, nicht kastrierten Hunde, die sich fröhlich Jahr für Jahr weitervermehren und deren Besitzer die Welpen Jahr für Jahr wieder auf die Straße setzen, denn das war ja schließlich schon immer so… diese neuen ausgesetzten Privathunde werden dadurch zu neuen Straßenhunden und später dann zu unseren Tierheimhunden, denn Straßenhunde sind in Rumänien grundsätzlich nicht mehr erlaubt, es sei denn alle Anwohner sind einverstanden, der Hund wird kastriert, auf diese Anwohner mit Mikrochip registriert und auch von ihnen versorgt.

Dieses Gesetz besteht seit 01.01.2015: alle Hunde müssen gechipt, kastriert und auf ihren Besitzer in dem rumänischen RECS-Register registriert sein, doch die meisten Hundebesitzer lachen über dieses Gesetz bzw. ignorieren es (noch).

Auch denken viele Leute, die Hunde seien nach einer Kastration nicht mehr so leistungsfähig, würden nicht mehr bellen, außerdem haben ja dann die Kinder kein Spielzeug mehr…

  1. Wie viele Hunde konntet ihr bereits kastrieren beziehungsweise kannst du an dieser Stelle ein paar Zahlen nennen, die euren Erfolg messbar machen?

Wir haben seit Oktober 2013 ungefähr 1.800 Hündinnen kastriert, es war alles dabei, Tierheimhunde, Strassenhunde (die draussen akzeptiert werden) und glücklicherweise viele viele Privathunde, Tendenz steigend! Wir merken anhand den Aufstellungen des Tierarztes, dass seit Februar 2016 die Zahl der privat gehaltenen Hunde, die zur Kastration kommen deutlich angestiegen ist. Hurra Hurra! Genau unser Ziel!

  1. Beschäftigt ihr euch auch mit der Vermittlung von rumänischen Straßenhunden nach Deutschland? 

Nein, unser Verein vermittelt selbst nicht, unser Vereinszweck ist die Hilfe vor Ort. Auch nehmen die Adoptionen innerhalb Rumäniens zu, das freut uns sehr, das bedeutet für uns, dass das Interesse an dem Thema Hund doch steigt und die Leute auch bereit sind einen Hund aus dem Tierschutz zu nehmen, bedeutet auch mehr Sensibilität.

TROTZDEM freuen wir uns natürlich aber über jeden Hund, der eine Chance auf eine eigene Familie in Deutschland oder Österreich bekommt. Unser Partnerverein Asociatia Anima ist auch überglücklich, wenn Hunde ausreisen dürfen, denn das bedeutet Hoffnung für diese Hunde und wieder Platz im Tierheim für neue hilfsbedürftige Hunde.

Wir arbeiten deshalb mit befreundeten Vereinen und Privatvermittlern in Deutschland und Österreich zusammen, die die Möglichkeiten zur Vermittlung haben (Tierheim, Genehmigungen, §11 usw.), damit wir auch die Gesamtzahl im rumänischen Tierheim langsam etwas senken und somit den vorhandenen Hunden mehr Zuwendung und Platz bieten können. Denn die meisten von ihnen werden wohl ihr Leben lang dort bleiben…

Für diese befreundeten Vereine in D und Ö sprechen wir gemeinsam mit unserem Partnerverein A. Anima Empfehlungen über gut vermittelbare Hunde aus, sie dürfen weder krank noch schwer traumatisiert sein, denn mit solchen Hunden werden die neuen Besitzer nicht glücklich werden und auch die Hunde nicht…

Wir kennen die Hunde alle persönlich und beobachten sie sehr genau in Rumänien (Verhalten zu Menschen, zu den anderen Hunden, lassen sie vom Tierarzt untersuchen usw.).

Wir sind dagegen, dass Hunde wahllos ausgeführt werden.

  1. Welche Formen der Unterstützung kann man euch zukommen lassen? 

Die effektivste Art unsere Arbeit zu unterstützen ist die Anlegung eines monatlichen Dauerauftrages bzw. der Einwilligung zum Sepa-Verfahren. Das geht in Form von Futter-Lohn-Spenden und oder Hundepatenschaften siehe Homepage.

Regelmäßige Spendeneingänge sind für uns die beste und beruhigendste Art und Weise mit unserer Arbeit und unseren monatlichen, sehr hohen Fixkosten umzugehen und zu wirtschaften.

Wir brauchen eigentlich noch ganz ganz viele, die uns monatlich unterstützen. Gerne auch mit ganz kleinen Beträgen, denn Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist…

Spenden gerade für den Tierheimneubau sind selbstverständlich auch herzlich willkommen…

Sachspenden sind auch herzlich willkommen, allerdings nur nach Absprache, denn leider wird viel gespendet, dass wir vor Ort gar nicht benutzen können..

Welpenfutter und Dosenfutter sind super tolle Sachspenden.

Handtücher, Zewatücher, keine Decken

Aber hier kannst auch genau schauen auf unserer Facebookseite, da habe ich heute ganz aktuell einen Sachspendenpost gemacht…

 

19. Hast du Zukunftspläne für deinen Verein bzw. stehen weitere Projekte an?

Unsere Zukunft ist der Tierheim-Neubau, die Fertigstellung und das Leben dieses Projekts! Wir sind noch lange nicht am Ende und selbst wenn das Tierheim mal fertig ist, müssen wir uns vielen vielen Aufgaben und Problemen stellen. Denn dieses neue Tierheim soll nach bestem Wissen, Gewissen und nach allen gesetzlichen Vorschriften und ethischen Vorstellungen geführt werden. Ständige Verbesserungen für die Langzeitinsassen, die Mitarbeiter, die möglichen Adoptanten in Rumänien, die medizinische Versorgung usw.:

DAS IST UNSERE ZUKUNFT UND DIE UNSERER HUNDE.

 

Das war es nun mit dem Interview. Ich bedanke mich an dieser Stelle recht herzlich bei Elke für ihre wertvolle Zeit. Das Interview ist meiner Meinung nach prima geworden und enthält viele viele spannende Hintergrundinformationen zum deutschen Förderverein „Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung e.V.

Zum Schluss noch ein paar Worte von mir zum Verein.

Der Verein in der Presse

Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung e.V. konnte bereits einiges an Aufmerksamkeit erzielen. Unter anderem gab es zum Beispiel einen Beitrag im Heft „mein TV magazin„. Darin wurde über das Tierheim in Campulung berichtet. Auch „Ein Herz für Tiere“ hat die Thematik Tierschutz im Ausland bereits mehrfach angesprochen und beispielsweise online eine Liste mit Tierschutzvereinen arrangiert. Darunter wurde auch der „Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung“ erwähnt.

Tipps zum Spenden

Neben Geld- und Sachspenden finde ich auch die Möglichkeiten des Kalender-Kaufs eine schöne Idee zum Spenden. Zwar ist das halbe Jahr jetzt schon vorbei, aber vielleicht hat ja trotzdem noch jemand unter euch Verwendung für den Jahreskalender 2016, den der Förderverein von Elke passend mit Bildern aus dem Tierheim in Rumänien liebevoll gestaltet hat. Ich habe mir auch zwei Stück gekauft und einen davon verschenkt. Da der Kalender diverse Infos zum Tierheim in Rumänien enthält, ist das finde ich eine tolle Sache. Mehr dazu hier unter schoenundsozial.de.

Kalender

Süß finde ich auch die hübschen Campulinos, die zu Gunsten des Tierheim-Neubaus verkauft werden. Schaut mal hier auf das Facebook-Page vorbei. Da könnt ihr die kleinen hübschen und vor allem selbst gemachten Schlüsselanhänger direkt bestellen. Super Idee und man kann Spenden mit Schenken verbinden oder sich selbst eine kleine Freude machen : )

Übrigens verfügen einige Campulinos über Chips für den Einkaufswagen.

Campulinos

Die tierischen Wenzel News

Ein Tipps sind Außerdem ein Hinweis zu den sogenannten Wenzels News : ) Wenzel ist ein ehemaliger Straßenhund aus Campulung, der aus dem rumänischen Tierheim Asociatia Anima stammt und heute in Deutschland lebt. Die Besitzer geben sich große Mühe und fassen die Neuigkeiten rundum die Tierschutzarbeit des Fördervereins von Elke Grafmüller zusammen. Damit ihr euch von der tierischen Berichterstattung ein Bild machen könnt, habe ich die aktuelle Folge der Wenzel News integriert:

Ich finde diese Art der Newsmeldungen wirklich großartig und ziehe meinen Hut vor den Machern. Ich weiß, wie viel Arbeit und Zeit es erfordert derartige Videos zu erstellen. Danke an euch da draußen, die sich so viel Mühe geben diesem Tierheim so gut es geht unter die Arme zu greifen! RESPEKT!

Noch mehr aktuelle Informationen findet ihr auf der Facebook-Seite. Der Verein freut sich über jeden Like : )

Fortsetzung folgt!

Demnächst geht es mit dem vierten Teil zu meiner Beitragsreihe zu Elkes Tierschutz-Förderverein weiter. Das große Thema: Ich werde in knapp vier Wochen persönlich in Rumänien vor Ort sein, um mir ein Bild von dem Tierheim Asociatia Anima zu machen. Dazu begleite ich die 1. Vorsitzende Elke Grafmüller nach Campulung! Im kommenden Beitrag verrate ich euch dann noch ein bisschen mehr zum geplanten neuen Tierheim in Rumänien und meinem Aufenthalt vor Ort.

Ihr dürft also auf die nächsten Wochen gespannt sein : )

 

Vereinsvorstellung „Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung“ – Interview Teil 1

Vereinsvorstellung „Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung“ – Interview Teil 2

Vereinsvorstellung „Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung“ – Interview Teil 4

Direkt zum Verein geht´s hier lang!

Weitere interessante Beiträge zum Thema Tierschutz findet ihr hier.

Elke GrafmüllerProfil Elke Grafmüller

Elke Grafmüller ist gelernte Tiermedizinische Fachangestellte und arbeitet derzeit Vollzeit in einer Tierklinik in Freiburg. Ihre Freizeit widmet sie den Straßenhunden in Campulung. Sie ist die 1. Vorsitzende des Fördervereins „Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung e.V.“ und macht sich dort ehrenamtlich für das Tierwohl in Rumänien stark.

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