Unser Hund aus Ungarn - Teil 5 - Der erste Tag

17.06.14

Wie die Abholung von unserem neuen Hund Tony bei der Pflegestelle verlaufen ist, habt ihr im vierten Teil der Reihe „Unser Hund aus Ungarn“ erfahren. Heute will ich euch schildern, wie der erste Tag im neuen Zuhause gelaufen ist und wie wir den Tagesablauf gestaltet haben.

Die Ankunft in der neuen Umgebung

Nachdem die Autofahrt zu meinen Eltern sehr gut gelaufen ist und Tony sich im Auto ruhig hingelegt hatte, lief ich mit ihm zur Haustür meines Elternhauses und klingelte. Dort wurde Tony von meinen Eltern natürlich schon sehnsüchtig erwartet. Ich hatte meine Eltern zuvor aber ausführlich zu unserem ersten Tag mit Tony „gebrieft“. Ich erklärte ihnen dass es durchaus wichtig ist, dass sie von Beginn an ruhig bleiben und nicht aufgedreht Tony gegenübertreten. Das kann so einen Neuling nämlich ganz schön aufregen.

Mir war besonders wichtig, dass wir uns erst gar nicht lange im Haus aufhalten, sondern stattdessen gemeinsam einen ausgiebigen Spaziergang machen. Das taten wir dann auch. Tony sah vor dem Spaziergang außer einem Raum nichts vom Haus. Das fand ich sinnvoll, da so viele Räume zunächst zuviel gewesen wären.

Der erste Spaziergang im neuen Zuhause

Der erste Spaziergang mit meiner Mutter verlief sehr gut. Tony verhielt sich vorbildlich, zog kaum an der Leine und war ziemlich entspannt. Allerdings spürte man die Veränderung beim Hund sobald meine Mutter und ich die Leinenführung wechselten. Ich zeigte meiner Mutter einige Tricks wie zum Beispiel die richtige Körperhaltung. Denn anders als viele vermuten, spiel die eine wesentliche Rolle. Nur wenn wir uns als Halter wohl fühlen und uns klar ist, dass wir die Führung übernehmen müssen, kann der Hund sich auch entspannen. Sind wir dagegen aufgeregt, verunsichert und nervös, überträgt sich diese Energie in Sekunden auf den Hund. Denn die Tiere sind extrem empfindlich was Energie angeht und nehmen die Veränderungen beim Menschen sofort wahr.

Sobald ich Tony führte, merkte man wie er sich entspannt und sehr brav nebenher lief. Das muss an meiner Einstellung und meiner Energie liegen. Denn nachdem meine Mutter die Leine nahm, sah man den Unterschied ziemlich offensichtlich. Tony war zunehmend verunsichert und zog das Tempo an. Man könnte auch sagen, dass Tony mit meiner Mutter spazieren ging und nicht umgekehrt ; ) Das kann man leider bei vielen Hundehaltern beobachten, die sich von ihren Hunden durch die Straßen zerren lassen. So sollte das nicht ablaufen. Es war daher klar, das wir noch viel üben müssen. Genauer gesagt meine Mutter ; ) Dies soll nicht nach Eigenlob klingen, ich möchte euch damit nur unsere Erfahrungen schildern und aufzeigen, welche Auswirkungen die persönliche Haltung haben kann.

Ganz besonders wichtig ist IMMER beim Verlassen und Betreten eures Hauses oder eurer Wohnung, dass ihr zuerst hinausgeht und hinein! Unterschätzt die Wirkung dieser Kleinigkeit keinesfalls. Hier könnt ihr gerade am ersten Tag schon so viel kaputt machen, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Indem ihr dem Hund klar macht, dass niemals er vorneweg geht, erklärt ihr dem Hund automatisch, dass ihr die Führung übernehmt und nicht der Hund machen kann was er will. Merkt der Hund, dass er sich überall frei bewegen kann und zuerst ins Haus geht oder es vor euch verlässt, kann der Hund das so interpretieren, dass ihr zum einen keine Ahnung habt und zum anderen nicht der Chef seid. Das bitte nicht falsch verstehen, aber denkt immer daran: Ihr seid der Boss im Gespann mit eurem Hund und er muss euch folgen. Wenn ihr also spazieren geht, verlasst ihr zu erst das Haus. Der Hund sollte ruhig hinter euch bleiben.

Das Beste an einem langen Spaziergang (wir waren eine knappe Stunde unterwegs) ist, dass der Hund danach zufrieden und angenehm müde ist. Ideal um sich in eine neue Umgebung einzugewöhnen. Wäre der Hund stattdessen aufgedreht und unruhig, wäre die Grundstimmung weniger positiv. Hinzu kommt, dass es dem Hund vorkommt, als würde er mit seinem neuen Rudel eine lange Wanderung zurücklegen, die den Zweck hat, ein neues Zuhause zu finden. So wie es in der freien Wildband Wölfe und Wildhunde machen. Sie ziehen ständig umher, um Futter und Unterschlupf zu suchen. Dieses Verhalten liegt den Tieren in den Genen. Während dem gemeinsamen Laufen wird die Bindung zwischen euch massiv gestärkt und der Hund kann Vertrauen in die neue Situation fassen.

Endlich Zuhause

Zuhause angekommen, bekam Tony zuerst einmal was zu Fressen. Diese Reihenfolge ist absichtlich so gewählt. Ihr solltet bei eurem Hund ebenfalls darauf achten, dass er sich das Fressen „erarbeiten“ muss. Zumindest sollte er das Gefühl haben. Durch die Reihenfolge Spaziergang>Fressen hat der Hund das Gefühl, dass er für die „Wanderung“ belohnt wird. Und das ist auch gewollt. Erst die Bewegung, dann die Belohnung. Nach dem Fressen war Tony müde und bereit für ein Mittagsschläfchen. Wir zeigten ihm seinen festen Platz, der ab sofort ihm zur Verfügung steht. Die Liegedecke, die ich von Frau Junker bekommen hatte, gab Tony Sicherheit. Er nahm das neue Körbchen sofort an und fühlte sich offenbar wohl. Zu diesem Zeitpunkt war es ungefähr 13 Uhr. Da Tony müde war, haben wir erst gar nicht damit angefangen ihm das Haus zu zeigen. Wir hatten ja noch jede Menge Zeit und die Erholung von Tony stand an erster Stelle. Der Tag war ja bis dahin schon aufregend genug.

Tony-schläft

Bis um circa 15 Uhr genoss Tony seinen Mittagsschlaf in vollen Zügen. Danach wurde er langsam fit und wir begannen damit ihm einige Räume zu zeigen. Allerdings beschränkten wie die Hausführung auf Diele (dort steht sein Körbchen), Küche und Esszimmer. Denn hätten wir ihm jeden Raum gezeigt, wäre das für den ersten Tag zu viel gewesen. Beim Zeigen der Räume ist es auch wieder extrem wichtig, dass immer ihr zuerst den neuen Raum betretet. Ihr erlaubt es dem Hund einen Raum nach dem anderen zu erkunden. Ihm muss klar sein, dass er sich nicht einfach überall frei bewegen darf, sondern eure Erlaubnis braucht. Zieht ihr das am ersten Tag konsequent durch, legt ihr einen entscheidenden Grundstein in der Beziehung zwischen euch und dem Tier!

Tony-in-Kueche

Keinesfalls solltet ihr zulassen, dass euer neuer Mitbewohner aufgeregt sämtliche Räume beschnüffelt. Wenn es Tony versucht hatte, habe ich mich ihm einfach in den Weg gestellt und „Nein“ gesagt. Dazu eine Geste mit meiner Hand, die verdeutlicht, dass es hier nicht weitergeht. Das hat schon gereicht. Hunde verstehen schnell wenn die Körpersprache stimmt. Durch dieses Vorgehensweise war Tony klar, dass er nicht machen kann was er will, sondern wir Menschen vorgeben, wo er hin darf und wo zunächst nicht. Das hört sich für manche von euch vielleicht streng an, aber ich kann euch aus eigener Erfahrung sagen, dass man anschließend weniger Ärger hat und die Grenzen klar gesteckt sind – von Anfang an! Und klare Grenzen sind bei Hunden genauso wichtig, wie bei Kindern.

Spielrunde

Nachdem er drei Räume kennenlernen durfte, gingen wir in den Garten. Die Gartenanlage meiner Eltern ist echt ein Hundeparadies. Jede Menge Platz und ganz viel Rasen zum Toben. Wir zeigten Tony alles, natürlich immer an der Leine um jedes Risiko des Entwischens auszuschließen. Auch im Garten bekam Tony direkt Grenzen gesetzt. Wir zeigten ihm die Wege, die er benutzten darf und dass er nicht in Blumenbeete soll. Dieser konsequenten Vorgehensweise am ersten Tag haben wir es zu verdanken, dass Tony bis heute nicht in Beete geht und auch keine Löcher buddelt. Nachdem er alles gesehen hatte, spielten wir mit ihm. Sein Lieblingsspielzeug sorgte für jede Menge Spaß ; ) Er fühlte sich sichtlich wohl und hatte Freude daran im Rasen herumzutoben.

Tony draußen

Der zweite Spaziergang

Nachdem wir die Spielphase beendet haben, gingen wir erneut mit Tony spazieren. Diesmal nicht so lange, aber dafür einen anderen Weg. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass es besser gewesen wäre, den gleichen Weg noch Mal zu gehen. Denn die andere Route war wesentlich belebter, was Tony definitiv zu viel war am ersten Tag. Dummerweise mussten dann natürlich ausgerechnet eine Gruppe Kinder mit Tretrollern unseren Weg kreuzen. Tony hatte ziemlich Angst, aber es gelang mir, ihn zu beruhigen. Ich versuchte ruhig zu bleiben und ging einfach weiter. Tony spürte dann wohl, dass keine Gefahr droht und wurde ebenfalls ruhiger.

Der Abend Zuhause

Als wir um 18.30 Uhr wieder Zuhause waren, folgte die gleiche Prozedur: Fressen und Ausruhen : ) Nachdem Tony sein Futter hatte, legte er sich wieder angenehm erschöpft ins Körbchen und döste. Am späteren Abend als Tony schon schlief, kam es dann zu einem Zwischenfall. Nichts ernstes, aber da wurde deutlich, dass er gewisse Ängste gegenüber Männern hatte. Besser gesagt, es wurde noch deutlicher, weil Tony sich schon den ganzen Tag lang gegenüber meinem Vater sehr zurückhaltend verhielt.

Der Raum in dem Tony schlief war dunkel und mein Vater wollte durch den Raum laufen. Tony muss dabei extrem erschrocken sein und bellte sofort los. Es schien mir, als hätte er nicht verstanden, dass es sich um einen Vater handelt. Schließlich kannte er ihn erst wenige Stunden und auch die Räumlichkeiten waren Tony kaum vertraut. Daher denke ich, dass er gemeint hat, mein Vater kommt von draußen und ist ein fremder Eindringling. Wir konnten Tony aber beruhigen und alles aufklären.

Die Nacht verlief ruhig. Wir waren froh, dass er schlafen konnte und kein Heimweh hatte.  Wie der zweite Tag verlief, erzähle ich dann im sechsten Teil.

Registrierung bei Tasso!

Noch am gleichen Tag registrierte ich Tony bei Tasso – das ist ausgesprochen wichtig und wird leider von viel zu vielen Tierhaltern vernachlässigt. Denn allein der Chip bringt leider gar nichts wenn ein Tier vermisst wird. Erst durch die Registrierung bei Tasso wird es möglich, das gefundene Tier dem Halter zuzuordnen. Liegt keine Registrierung vor, besteht für den Finder kein Zusammenhang zwischen Tier und Besitzer!! Schließlich enthält der Chip keinerlei Daten über euch, keine Adresse, keine Telefonnummer, nichts. Ist das Tier angemeldet können die Finder euch schnellstmöglich kontaktieren. Mit der Anmeldung stellt ihr also sicher, dass euer vermisstes Tier wieder schnellstmöglich zu euch nach Hause kommen kann und erspart ihm einen langen Aufenthalt im Tierheim.

Unter diesem Link von Tasso könnt ihr euer Haustier kostenlos registrieren! Nachdem ihr die Chip-Nr. des Hundes eingegeben habt, werdet ihr zu einem Formular weitergeleitet. Dort steht alles weitere erklärt. Es werden dann eure Daten hinterlegt und ihr bekommt eine Bestätigung für die erfolgreiche Registrierung. Außerdem bekommt ihr nach ein paar Tagen eine Tasso-Marke, die ihr am Halsband der Tiere befestigen solltet, zugeschickt. Hier ein Bild davon:

Tasso-MarkeAuf der Rückseite der Marke findet der Finder von Tony (den wir hoffentlich nie brauchen!) im Ernstfall direkt die Notruf-Hotline von Tasso. Dort kann er seinen Fund melden. Das verkürzt die Prozedur zusätzlich. Tasso prüft dann anhand der Reg.-Nummer, die der Finder auf dem Halsband findet und Tasso übermittelt, wem das Tier gehört. Der Besitzer wird schnellstmöglich informiert. Eine tolle Sache!

Tassomarke-Rückseite

Die Chip-Nummer wurde bei unserem Tony im EU-Ausweis hinterlegt. Falls ihr die Chip-Nr. aus welchen Gründen auch immer nicht habt, könnt ihr die über euren Tierarzt herausfinden. Einfach hingehen und sagen ihr braucht die Chip.-Nr. zum Registrieren. Tierärzte haben das entsprechende Gerät, mit dem die Chips gelesen werden können.

Sollten sich eure Daten ändern, könnt ihr die hier bei Tasso melden. Weitere Infos zur Registrierung findet ihr hier.

Also bitte: Registriert eure Tiere damit der Chip auch einen Sinn hat!

 

Unser Hund aus Ungarn – Teil 1 – Kennenlernen

Unser Hund aus Ungarn – Teil 2 – Vorkontrolle

Unser Hund aus Ungarn – Teil 3 – Die Vorbereitungen

Unser Hund aus Ungarn – Teil 4 – Die Abholung

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