09.05.13

Dieser Beitrag ist allen Hundehaltern gewidmet, die es anscheinend immer noch nicht mitbekommen haben: Das verschlossene Auto ist kein „Parkplatz“ für einen Hund! Immer noch sterben Hunde im Auto, weil sie dem künstlichen „Glutofen“ im Sommer schutzlos ausgeliefert sind. In diesem Beitrag findet ihr viele Infos zum Thema und Tipps für Retter.

Sommer – Hunde im Glutofen

„Ich geh nur kurz einkaufen“. Mit diesem Satz entschuldigen sich viele Halter und lassen ihren Hund im Auto zurück. Die Naivität und Rücksichtslosigkeit ist mir immer noch ein Rätsel. Hunde gehören im Sommer nicht ins Auto. Da bringt auch eine Zentimeter „große“ Öffnung des Fensters nichts. Der Hund befindet sich in einem erbarmungslosen Glutofen und ist dem schutzlos ausgeliefert. Nicht nur im Hochsommer, wenn die Sonne vom Himmel knallt, besteht die Gefahr, dass der Hund einen furchtbaren Tod stirbt!

Die Fakten

  • Schon ab 20 Grad Außentemperatur droht der Hund zu sterben!
  • schnell heizt sich der Innenraum eines Autos auf über 50 Grad auf
  • Die Folge: der tödliche Hitzschlag
  • betroffen sind Hunde und Katzen
  • schon wenige Minuten reichen aus

Innerhalb 15 Minuten kann ein Tier im Auto sterben! Hunde sowie Katzen regulieren ihre Körpertemperatur, also quasi den Wärmeaustausch durch Hecheln. Dadurch verdunstet Wasser, dass die Tiere durch Trinken ausgleichen. Ist kein Wasser vorhanden, tritt Hyperthermie ein. Das heißt, dass die Körpertemperatur unerbittlich anfängt zu steigen.

Die Anzeichen für Hyperthermie

Entdeckt ihr einen Hund im Auto könnt ihr an folgenden Anzeichen erkennen, ob eine Hyperthermie eintritt:

  • Unruhe
  • die Zunge ist weitherausgestreckt
  • der Hals wird gestreckt
  • Erschöpfungserscheinungen
  • das Tier taumelt umher
Das sind die ersten Anzeichen eines Hitzschlags. Sobald die Körpertemperatur über 40 Grad Celsius steigt, kommt es zu Kreislaufbeschwerden. Der Körper rebelliert! Die Blutversorgung von Organen kommt ins Stocken und ein Schock könnte die Folge sein. Sobald die Körpertemperatur auf 43 °C ansteigt, beginnt das Eiweiß im Körper der Tiere zu gerinnen. Das Ergebnis ist Bewusstlosigkeit. Jetzt ist Handeln angesagt. Sonst wird der Hund sterben! Das Tier muss schnellstmöglich von einem Facharzt behandelt werden. Doch vorher zur rechtlichen Lage.

Die rechtliche Situation

Die Frage ist: Was würdet ihr tun, wenn ihr einen Hund in einem geschlossenen Auto entdeckt? Auf den Besitzer warten und zur Rede stellen? Leider könnte der Hund in der Zwischenzeit sterben, weil die Hitze zu groß ist.

Je nach dem wie ernst die Lage ist, gibt es gewisse Aspekte, die ihr beachten solltet:

Wer einen Hund im Auto entdeckt und die Gefahr besteckt, dass er Qualen und Schmerzen erleiden muss, sollte schnellstmöglich versuchen den Halter aufzusuchen. Vielleicht steht das Fahrzeug vor einem Supermarkt? Dann lasst den Halter (der Fahrer des Fahrzeugs mit dem Kennzeichen XY) an der Kasse ausrufen!

Anschließend ist es empfehlenswert Fotos zu machen und sich Zeugen zum „Tatort“ zu suchen. Kommt es später zum Streitfall mit dem Halter ist es wichtig, dass ihr eure „Entdeckung“ beweisen könnt. Notiert euch auch das Kennzeichen des Wagens, die Uhrzeit, das Datum und den Ort des Geschehens. Zudem solltet ihr euch Namen und Adressen der Zeugen aufschreiben. Wenn die Zeugen schon nach wenigen Minuten das Weite suchen und ihr keine Kontaktdaten habt, bringen sie euch nichts mehr, falls es zur Anzeige kommt. Ist die Lage ernst, solltet ihr die Polizei verständigen.

Wer seinen Hund im Auto zurücklässt und ihm damit unnötig Schmerzen und Qualen bereitet, begeht einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz! Dieser Verstoß ist strafbar und im Zweifel gibt es eine Freiheits- oder Geldstrafe. Die Polizei wird alles weitere regeln.

Wenn ihr der Ansicht seid, die Lage ist sehr ernst und der Hund wird es nicht überleben, wenn ihr noch wartet:

  • zuerst Polizei anrufen, Sachlage schildern, weiteres Vorgehen abklären. Wenn die Polizei nicht rechtzeitig vor Ort sein kann, muss prinzipiell jeder selbst entscheiden, ob er handelt oder nicht
  • der Rat vom Rechtsanwalt: Wenn die Notlage vorhanden ist und der Hund in ernster Gefahr ist, könnt ihr die Scheibe einschlagen. Aber ihr müsst den Schaden so klein wie möglich halten. Das heißt, ihr solltet beispielsweise eine Seitenscheiben wählen. Heck- und Frontscheiben sind viel teurer!
  • Aber Achtung: Das Einschlagen der Scheibe ist eine strafbare Sachbeschädigung und kann laut Gesetz Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe zur Folge haben. Das sollte trotzdem jedem bewusst sein.

Wer nicht vorbestraft ist (beispielsweise wegen anderer Sachbeschädigung an Fahrzeugen) muss aber in der Regel mit einer Geldstrafe rechnen. Oder das Verfahren wird eingestellt, je nach dem wie die Zeugenaussagen ausfallen und die Situation beurteilt wird.

Zu diesem Thema schaut ihr euch am besten mal noch das Video von Tasso an. Dort spricht eine Rechtsanwälte und gibt hilfreiche Tipps zur Vorgehensweise im Ernstfall:

In Notsituationen lautet aber ganz klar, dass die Polizei gerufen werden muss! Das ist das Mindeste was ihr tun müsst! Solche verantwortungslosen Halter dürfen nicht einfach ignoriert werden. Sie müssen auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht werden.

Was ist zu tun, wenn das Tier befreit wurde??

Wurde das Tier aus einem Auto befreit, muss es schnell gehen! Jede Minute zählt. Bringt das Tier sofort an einen schattigen und kühleren Platz. Besorgt euch Handtücher oder sonstige Tücher, macht sie mit kaltem Wasser nass und legt sie auf den Körper. Passt hierbei aber auf, dass die Kühlung nicht zu krass ist. Das Kühlen muss langsam von statten gehen, damit der Körper nicht gleich den nächsten Schock bekommt. Also natürlich keine Eiswürfel verwenden, sondern besser Tücher mit kalten Wasser aus dem Wasserhahn nass machen. Die Kühlung muss mindestens über eine halbe Stunde andauern.

Erst wenn der Hund wieder zu sich kommt und das Bewusstsein zurück erlangt, solltet ihr den Wassermangel ausgleichen. Dann schluckweise frisches Wasser geben. Ist das Tier bewusstlos auf keinen Fall Wasser ins Maul schütten! Das kann zur Erstickung führen. Wie auch beim Mensch das Tier bei Bewusstlosigkeit in stabile Seitenlage bringen und sicher gehen, dass die Zunge heraushängt.

Update 10.06.2015

Der Sommer steht schon wieder vor der Tür und die Saison für das Hundeleiden im Auto leider auch! Denn noch immer scheinen sich nicht alle Hundebesitzer darüber im Klaren zu sein, welche Gefahren für Tiere im Auto lauern. Ich habe vor wenigen Tagen via Facebook eine sehr hilfreiche und interessante Übersicht zu den Temperaturzonen gefunden, die genau über die lebensgefährliche Zone informiert. Der Tabelle von „Land of Dogs„, die ich an dieser Stelle eingebunden habe, um diesen Beitrag sinnvoll zu ergänzen, könnt ihr entnehmen, wie schnell sich die Innenraum-Temperatur von Fahrzeugen erhöht. Sicherlich werden einige überrascht sein, in welch kurzer Zeitspanne bereits Lebensgefahr besteht.

Da man die Bilddatei von Land of Dogs aus Gründen der Bildrechte nicht nutzen darf, habe ich die Daten in eine eigene Tabelle gepackt:

Tabelle

An dieser Stelle ein liebes Dankeschön an Land of Dogs für diese Informationen! Sie bringen das Thema auf den Punkt und verdeutlichen, wie ernst das Thema zu nehmen ist!

Bildquelle: Günter Havlena  / pixelio.de

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