Team-Campulung

20.02.17

Nachdem ich euch beim letzten Teil zu meiner Rumänien-Reise über den spannenden Besuch beim Bürgermeister von Campulung berichtet habe, geht es heute schon um meinen letzten Tag im rumänischen Tierheim Asociatia Anima. Was ich dabei erlebt habe und welches Fazit ich zu meinem Aufenthalt ziehe, das erfahrt ihr im achten und damit letzten Teil dieser Beitragsreihe.

Einkäufe erledigt

Um die Tierheim-Mitarbeiter etwas zu entlasten, haben wir am Freitag auf dem Weg zum Tierheim noch ein bisschen eingekauft. Neben Getränken und Süßigkeiten als Nervennahrung, beschafften wir Schwämme, Putzlappen, Bürsten und viele andere Kleinigkeiten, die im Tierheim jeden Tag im Einsatz sind, um Näpfe zu reinigen oder ähnliches. Der Verschleiß solcher Artikel ist groß, angesichts der 900 Hunde, die täglich gepflegt und gefüttert werden müssen.

Welpen-Fütterung

Anschließend kümmerten wir uns wieder um die vielen vielen Welpen und Junghunde, die jeden Morgen einen riesigen Hunger haben. Wie immer achteten wir darauf, dass alle Tiere etwas abbekamen und reinigten gleich noch die Wassernäpfe.

Sicherzustellen, dass alle Welpen gleich viel Futter bekommen, ist nahezu unmöglich. Während sich manche ständig vordrängeln, trauen sich andere gar nicht an den Geschwistern und Kameraden vorbei. Sie sitzen schüchtern in der Ecke und warten geduldig, bis die Dominanteren unter ihnen fertig sind. Interessant zu beobachten, wie klar die Hierarchie schon in den ersten Wochen geregelt ist.

Die ganz Schwachem, wie dieser kleine Knopf hier, wurden in separaten Boxen und Käfigen untergebracht. Ansonsten hätten sie im Kampf ums Futter keine Chance. Hinzu kommen gesundheitliche Probleme, welche die gesunden Tiere im Rudel nicht akzeptieren würden.

Wenn kurz Zeit war, nahmen wir uns ein paar Minuten und gaben den Kleinsten etwas extra Aufmerksamkeit. Die brauchen sie von den Menschen, da viele keine Mutter mehr haben und allein klarkommen müssen.

Da zerreißt es einem wirklich das Herz. Denn nach unserer Abreise ist noch viel weniger Zeit zum Kuscheln, da die Tierheim-Mitarbeiter jede Menge zu tun haben.

Zwischendurch wurden auch noch reichlich Fotos von einigen Kandidaten gemacht, die als Patenhunde oder für Adoptionen in Frage kamen. Mit kleinen Tricks, wie hier mit Leckerli, haben wir die Tiere „in Position“ gebracht : )

Fellpflege

Die Hündin, die bereits im dritten Teil dieser Beitragsreihe ein Thema war und medizinisch versorgt wurde, bekam heute zusätzlich Pflege von uns. Wir kämmten ihr Fell sorgfältig und machten sie schick, da sie auf der Liste der Hunde stand, die mit etwas Glück ausreisen durften. Da muss man gut aussehen : )

Die hübsche Maus muss künftig zwar mit nur einem Auge auskommen, weil eines leider erkrankt war, doch ich bin sicher, dass sie ein tolles Zuhause finden wird. Sie ist so hübsch und total lieb.

Sie ließ alles bereitwillig mit sich machen und genoss die Pflege ihres Fells. Abschließend untersuchten wir sie, um ihren Gesundheitszustand zu überprüfen. Danach musste sie zurück in ihre Box.

Auch am anderen Ende des Tierheim-Geländes wurde kräftig mit Bürsten gearbeitet, um das Leben der Tiere ein bisschen angenehmer zu machen und sie von lästigen Verfilzungen zu befreien.

Hund mit starkem Hautproblem

Kurze Zeit später widmeten sich die Tierärztin Christine, ihre Kollegin Katja und der Tierheimleiter Iulian einem schweren Fall. Ich habe leider die genaue Bezeichnung der Hauterkrankung nicht parat, aber der Hund litt auf jeden Fall unter extremen Wunden an zahlreichen Körperstellen. Die Haut war so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass sie überall blutete. Es war ein fürchterlicher Anblick und man konnte nur erahnen, welche Schmerzen das Tier haben musste.

Zunächst spülten die drei den Hund mit klarem Wasser vollständig und gründlich, um Schmutz und Co. abzuwaschen. Iulian fixierte den Hund damit Katja und Christine arbeiten konnten.

Anschließend folgte die medikamentöse Behandlung. Die Haut wurde mit einem speziellen Präparat eingerieben, das weitere Infektionen eindämmen und das Krankheitsbild lindern sollte.

Da Christine gerade dabei, wurden auch alle anderen Tiere im Medi-Sektor versorgt. Unter anderem die Hündin, die am zweiten Tag bei einem schlimmen Zwischenfall ihren Schwanz verlor. Sie bekam Medikamente gegen die Schmerzen und Entzündungen und für die Wundheilung.

Rettungsaktionen in Campulung

Während ein Großteil unserer Truppe im Medi-Bereich zugange war, darunter auch ich, spielte sich auf den Straßen in Campulung ein leider trauriges, aber für die hiesige Situation typisches Schauspiel ab. Straßenhunde, die dort, wo sie derzeit leben von der Bevölkerung nicht mehr geduldet wurden, müssen vom Tierheim eingefangen und aufgenommen werden. Dorin, ein wichtiger Tierheim-Mitarbeiter, der mit dem Blasrohr besonders scheue Straßenhunde betäuben kann, sowie Janet aus unserem Mädels-Trupp waren daher unterwegs in Campulung, um Tiere zu retten. Genau genommen ging es um eine ausgesetzte Hündin mit vier Welpen. Die Hundefamilie lebte zwischen weggeworfenen Kleidern irgendwo in Campulung:

Kein schöner Anblick, aber leider Alltag in Rumänien. Mit dem Tierheim-Auto ging´s zum Fundort, um die Hunde einzusammeln. Während sich die Mutter relativ problemlos fangen ließ, waren die Kleinen deutlich scheuer. Kein Wunder. Schließlich hatten sie in ihrem kurzen Leben nur wenig Menschenkontakt.

Mit dem Blasrohr „geschossene“ Hunde sind leicht narkotisiert, damit sie Dorin sicher fangen kann. Sowohl die Hundemama als auch die Welpen, werden im entsprechenden Alter auf Kosten des Tierheims kastriert. Somit können weitere Welpen vermieden und zusätzlichem Tierleid vorgebeugt werden. Eine sehr sehr wichtige Aufgabe des Tierheims Asociatia Anima.

Hier Dorin in Aktion (im Hintergrund das Tierheim-Fahrzeug, das durch Spenden aus Deutschland finanziert werden konnte):

Janet und Dorin fuhren nach der Rettungsaktion direkt ins Tierheim, wo die Hundefamilie versorgt und untergebracht wurde. Für Hündinnen mit Welpen werden stets separate Zwinger ausgewählt, damit andere Hunde die Kleinen nicht verletzen oder gar töten können.

Leider blieb es an diesem Tag nicht bei fünf neuen Hunden. Stattdessen musste das Tierheim nur an einem Tag acht neue Hunde aufnehmen und das ist keine Seltenheit. Oft sind es sogar deutlich mehr. Das muss ein Tierheim erst einmal schaffen. Der Platz ist schließlich sowieso schon knapp.

Hier Janet und Dorin auf dem Rückweg. Telefonisch wurde schon der nächste Fall angekündigt:

Aufregend wurde es dann zudem, als das lokale Fernsehen aus heiterem Himmel auftauchte. Der Sender berichtet über die täglichen Kastrationsaktionen des Tierheims, um die Bevölkerung zu informieren.

Kameramann und Journalist zeigten großes Interesse und hielten die Tätigkeiten des Teams fest.

Dorin, der Hunderetter von Asociatia Anima ist täglich unterwegs, um Straßenhunde einzusammeln und zum Tierheimgelände zu transportieren. Als kleines Dankeschön für ihr Engagement erhielten er und seine Kollegen vom Förderverein aus Deutschland selbst gemachte T-Shirts : ) Die Freude über das kleine Präsent war groß. Die „Campulung Chaos Crew“ hat seither einen einheitlichen Look ; ) Es war schön zu sehen, wie die Gruppe Hand in Hand arbeitet.

Positive Entwicklungen bei „Cruella“

Angesichts dieses letzten Beitrags, möchte ich die Gelegenheit nutzen und zu ein paar Hunden, die ich während meiner Woche in Rumänien kennenlernen durfte, ein paar Worte zu dessen neuem Leben loswerden. Zunächst zu „Cruella„:

Bei Cruella handelt es sich um eine arme arme Hündin, mit der ich direkt am ersten Tag konfrontiert wurde. Das arme Tier lag halb tot in ihrer Box. Ich weiß noch, als wäre es gestern gewesen, wie ich die rumänische Kollegin fragte, ob die Hündin überhaupt noch lebt. Sie sah so furchtbar schlecht aus, dass es mich nicht gewundert hätte, wenn sie tot gewesen wäre. Doch sie lebte noch und befand sich in Narkose. Das erste Foto, das von Cruella gemacht wurde:

Cruella

Cruella wurde umgeben von Müll gefunden, allein, hungrig und am Ende ihrer Kräfte. Lange hätte sie es nicht mehr geschafft. Wie ihr im dritten Teil nachlesen könnt, bestand meine erste Aufgabe darin, Cruella von ihren gefühlten tausend Parasiten zu befreien.

Nach der Tortur wickelten wir das Mädel in frische Tücher und stellten Wasser sowie Futter bereit. 

Die Hündin sah so mitgenommen aus und war etwas unterkühlt. Christine nahm sich ein paar Minuten täglich und wärmte Cruella.

Und obwohl das Schicksaal es wirklich gar nicht gut mit diesem Hund meinte, gab es ein Happy End. Nachdem wir abgereist waren, durfte Cruella ausreisen und eine liebe Familie entschied sich zur Adoption. Sie heißt inzwischen Lilly. Leider hat sie ein Auge verloren, doch das merkt man ihrer aktuellen Lebensfreude nicht an. Während sie auf folgendem Foto schon mit Artgenossen spielte….

… hat sie zwischenzeitlich noch ordentlich zugelegt und wirkt jetzt viel gesünder. Auch ihr Fell hat sich sichtbar erholt und es scheint ein völlig neuer Hund geworden zu sein.

Die Wendung im Leben dieser Hündin hat mich von meiner gesamten Woche am meisten berührt. Sie entwickelte sich in meinen Augen vom scheintoten Etwas, das umgeben von Müll quasi in letzter Sekunde gerettet wurde, zu einem quirligen Hund mit Zukunft. Eine unglaubliche Geschichte, die mir wieder einmal bestätigte, dass es sich lohnt für jedes Lebewesen zu kämpfen. Und wenn es an einem noch so seidenen Faden hängt.

Die Entwicklung von „Life“

Nicht weniger packend ist die Entwicklung von Hündin „Life“. Auch sie begleitete unsere Helfer-Gruppe vom ersten Tag an. Die kleine und extrem schwache Parvo-Patientin (Mehr zu dieser Krankheit hier) stand über die gesamte Woche unserer Anwesenheit unter Beobachtung. Leiden Hunde an Parvovirose, sterben sie oft innerhalb von 24 Stunden. Die hübsche „Life“ gehörte zu den kritischen Fällen. Ich erinnere mich noch genau, wie Tierärztin Christine an einem Tag meinte, dass sie enorm schwach ist und sie sei nicht sicher, ob sie es überlebt. Ihr Zustand war mehr als kritisch.

So sah die kleine Maus in den ersten Tagen aus. Hier bekam sie gerade eine Infusion um den hohen Flüssigkeitsverlust auszugleichen:

Ende der Woche genoss Life die Mittagssonne auf dem Schoß von Iris und war schon sichtlich fitter.

Und wer hätte es gedacht, aber die tapfere kleine Life hat überlebt und ein tolles Zuhause bei einer Tierarzthelferin in Deutschland gefunden. Inzwischen sieht sie um Welten besser aus. Ihr ganzes Wesen konnte sich erholen und lebt nun auf. Auch für sie freuen wir uns alle riesig : ) Ein weiteres Happy End unserer Reise.

Weitere Erfolgserlebnisse

Könnt ihr euch noch an diese wilden Racker hier erinnern:

Die Halbstarken befanden sich gemeinsam mit vielen anderen ihrer Altersklasse in einem Zwinger neben dem Medi-Bereich. Als ich nachmittags hier drin stand zum Füttern, entdeckten einige unter ihnen meine Strickjacke für sich. Sie zerrten mehrfach daran und wollten unbedingt mit mir spielen ; ) Sie hatten auf jeden Fall meine volle Aufmerksamkeit erregt. Und das nicht nur, weil sie so frech waren ; ) Vielmehr, weil sie unendlich hübsche und aufgeweckte Junghunde waren, die man einfach ins Herz schließen MUSSTE.

Und wer daran noch zweifelt… wer könnte diesem Hundeblick widerstehen????

Und genau das war wohl auch ihr Glück. Denn Kevin und Chiara, wie die beiden (siehe Bild oben) liebevoll getauft wurden, kamen nur kurze Zeit nach unserer Reise nach Deutschland. Janet vom Förderverein Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung e.V., mit der ich im Juli 2016 in Rumänien war, schrieb diesen liebevollen Post bei Facebook dazu:

Ein weiteres Highlight war der Kater „Coffee“. Janet entdeckte ihn während unserer Woche in Campulung auf der Straße. Völlig verwahrlost und mit gebrochenem Kiefer. Nachdem Janet sich die ganze Woche über persönlich um den armen Kerl gekümmert hat, fand auch er ein neues Zuhause in Deutschland. Die glückliche Retterin besuchte den Kater nach einiger Zeit im neuen Heim und war sichtlich happy damit : ) Die folgende Nachricht via Facebook sagt alles oder:

DIY-Sonnenschutz

Wie heißt es doch gleich: Not macht erfinderisch? Genau das konnte man in Campulung täglich beobachten. Einige der Mädels nahmen sich kurzerhand dem Hitze-Problem im Medi-Sektor an und bauten einen DIY-Sonnenschutz. Bewaffnet mit ein paar Nägeln, Hammer und alten Tüchern wurde über den Zwingern eine praktische Beschattung gebaut. Für die Hunde in den Zwingern ein Segen, da es in den Sommermonaten extrem heiß werden kann und gerade die kranken Tiere Schutz vor der Hitze dringend brauchen.

Traurige Schmuse-Stunde

Am Nachmittag unseres letzten Tages in Campulung nahmen wir uns noch eine halbe Stunde Zeit und kuschelten mit den Halbstarken. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon den nächsten Kloß im Hals. Denn der Abschied stand bevor und das war so unendlich hart. Man wusste ja nicht, welche Hunde es schaffen werden, an Parvo oder einer anderen gottverdammten Scheiße sterben müssen. Diese vielen Schicksale, völlig ungewiss, das machte echt zu schaffen.

Kurz vor Abreise gab Christine allen Hunden im Medi-Bereich nochmals ihre Ration Medikamente und überprüfte ihren Zustand. Wir anderen tauschten das Trinkwasser aus und übernahmen noch ein paar andere Kleinigkeiten bis der Abschied dann unausweichlich war. Obwohl ich zum ersten Mal dabei war, fiel mir dieser enorm schwer. Es hätte noch so viel zu tun gegeben…

Essen bei Einheimischen

Am letzten Abend vor der Rückreise nach Deutschland, wurden wir vom Tierheimleiter Iulian und seiner Partnerin Oana zum Essen eingeladen. Wie ich es bereits bei der Hinreise gelernt habe, sind die Rumänen extrem gastfreundlich und geben alles für ihre Gäste. Es wurde reichlich aufgetischt und es schmeckte allen ausgezeichnet.

Es war sehr schön noch einmal gemeinsam zusammenzusitzen und die aufregende Woche als Gruppe Revue passieren zu lassen.

Wir haben viel gelacht, waren aber auch erschöpft und geprägt von den zahlreichen Ereignissen der Woche. Besonders diejenigen, wie ich, die zum ersten Mal dabei waren, hatten einiges zu verarbeiten. Ich habe einige Tage gebraucht, um wieder zuhause „anzukommen“.

Campulung – Aufenthalt öffnete mir die Augen

Eine Woche Campulung war für mich, eine Woche in eine völlig andere Welt einzutauchen. Zum einen Rumänien, als solches. Ein Land, vielerorts gequält von Armut. Dennoch: Rumänien ist nicht hoffnungslos. Keineswegs. Das hat mir das örtliche Tierheim, der unermüdliche Einsatz der Tierheim-Verantwortlichen und der Helfer aus Deutschland gezeigt. Es gibt sie, die Menschen, denen die Straßenhunde nicht egal sind. Und es gibt andere, die bereit sind dafür Opfer zu bringen und alles andere hinten anzustellen. An dieser Stelle möchte ich ganz besonders Elke Grafmüller nennen. Auch wenn ihr das wahrscheinlich nicht passt ; ) Elkes Engagement ist einfach großartig. Seit rund 14 Jahren ist sie im Tierschutz in Rumänien aktiv und mit der Gründung des deutschen Fördervereins Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung e.V. setzte sie den Grundstein für eine wunderbare Geschichte.

Seit Gründung kämpft sie eisern für das primäre Ziel: Den Bau eines neuen Tierheims für Campulung. Ihren Urlaub verbringt sie in Rumänien, um das Mammut-Projekt voranzutreiben. Zudem ist es ihr gelungen ein wundervolles und starkes Team, um sich zu versammeln, das innerhalb von nur drei Jahren enorm viel erreicht hat. Ich will hier jetzt gar keine Namen nennen, weil ich sowieso nicht alle aufzählen kann, die im Hintergrund tätig sind und sicherlich viele vergessen würde. Neben den Mädels, mit denen ich nach Campulung reisen durfte, hat der Verein glücklicherweise noch eine Vielzahl weiterer Helfer, die sich selbstlos für die rumänischen Straßenhunde stark machen. Da werden Flohmärkte organisiert, Schlüsselanhänger und Halsbänder gebastelt, Spenden-Transporte, Crowd-Funding-Projekte sowie Veranstaltungen realisiert, Bücher geschrieben, Spendenaktionen via Facebook durchgeführt und vieles vieles mehr. Alles zum Wohl der Tiere.

Elke und ihre Mitstreiter haben mir gezeigt, was sich mit dem festen Glauben an eine Sache erreichen lässt. Als sie den Förderverein gründete, glaubte kaum jemand daran, dass sich die Herausforderung ein neues Tierheim zu errichten, überhaupt realisieren lässt. Heute, wenige Jahre später, wurden mit den hart erarbeiteten Spendengeldern aus Deutschland bereits wichtige Teile des Baus finanziert und realisiert. Stück für Stück, Schritt für Schritt geht es voran. Die Arbeit dieses Vereins beweist, dass nichts unmöglich ist! Man muss nur am Ziel festhalten und darf niemals aufgeben. Und fast noch wichtiger: Man muss anfangen, auch wenn niemand an eine Idee glaubt. Denn wenn es keiner probiert, ändert sich nichts!

Sichtweise zum Thema Straßenhunde

Auch meine Sichtweise auf das Thema Straßenhunde allgemein konnte Elke mit ihrer Erfahrung zurecht rücken. Ich bin bislang davon ausgegangen, dass es Straßenhunden grundsätzlich schlecht geht und man sie alle retten müsste. Schließlich haben sie kein Dach über dem Kopf, kein Zuhause wie wir es kennen. Das ist für uns Deutsche nur schwer vorstellbar. Zwar geht es vielen der Tiere nicht gut und ihre Rettung ist sogar dringend erforderlich, aber auf dem Weg nach Rumänien hatten wir viel Zeit um über das Thema zu reden und die andere Seite der Medaille zu durchleuchten. Elke erklärte während der Fahrt, dass es für einige Straßenhunde besser ist, wenn sie in freier Wildbahn weiterleben dürfen, nachdem sie kastriert und geimpft sind, weil sie dann eben frei und vor Krankheiten geschützt leben können. Durch die Kastration könnten sie sich zudem nicht mehr vermehren, was die Gesamtsituation verbessert.

Im Tierheim geht es vielen dieser wild aufgewachsenen Hunden schlechter, weil sie sich nicht mehr frei bewegen können, sondern auf engstem Raum mit vielen anderen Hunden „ausharren“ müssen. Zweifelsfrei ist das Tierheim unverzichtbar und das ist keinesfalls falsch zu verstehen bitte. Ohne Tierheime wäre alles nichts. Aber wenn möglich, kann es für gesunde und nicht bedrohte Straßenhunde angenehmer sein, wenn sie in ihrem gewohnten Revier weiterleben können. Viele dieser Tiere könnten sowieso nicht vermittelt werden, weil sie viel zu scheu und wild sind.

Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, alle obdachlosen Tiere nach Deutschland holen zu wollen. Das ist einfach unmöglich und macht in einigen Fällen keinen Sinn. Stattdessen sollten wir alles tun, um die Situation vor Ort zu verbessern. Elke Grafmüller und ihr Verein haben es geschafft genau in diese Richtung zu steuern. In Campulung hat sich viel verändert, seit sich die ehrenamtlichen Tierschützer dort engagieren. Ein neues Tierheim ist im Bau, die Bewohner können ihre Tiere kostenlos kastrieren und es wird Aufklärungsarbeit betrieben. Die enge Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister hat ebenfalls viel Gutes bewirkt.

Hoffnungsträger: Neues Tierheim

Dass das neue Tierheim dringend nötig ist, brauche ich nicht mehr betonen. Denn das habe ich in meinen Beiträgen bisher klar gemacht. Trotzdem möchte ich einige Fakten zum Schluss zusammenfassen:

  • Standard: Im alten Tierheim gibt es viele gefährliche Stellen. Wie in Teil 4 erzählt, kommt es regelmäßig zu teilweise schwersten Verletzungen unter den Tieren, weil sie sich an scharfen Kanten, kaputten Zäunen oder ähnlichem den Leib aufschlitzen. Klingt hart, ist es auch, wie ich mit eigenen Augen gesehen habe. Es braucht ein neues Tierheim nach EU-Standard!
  • Platzmangel: Das alte Tierheimgelände ist zu klein. Viele der rund 900 Tiere müssen auf engstem Raum in größeren Rudeln leben. Aufgrund des Platzmangels sterben fast jede Woche einige Tiere, weil sie von anderen tot gebissen werden. Ist genug Platz für alle Hunde, kann solchen Zwischenfällen vorgebeugt werden.
  • Schutz: Ein Großteil der Hunde lebt im Freien. Es gibt zwar Hundehütten, aber vor Wind, Kälte und Gewitter sind die Tiere trotzdem nicht ausreichend gut geschützt. Wie ich bei meiner Reise in Erzählungen erfahren habe, kommt es gerade bei Unwetter zu Beißereien und toten Tieren, weil viele währenddessen förmlich durchdrehen und das wird von den Rudelmitgliedern nicht geduldet. Durch die überdachten Zwinger, die für das neue Tierheim geplant sind, wird der Wetterschutz deutlich verbessert und das Risiko für Verletzungen sinkt.
  • Hygiene: Die hygienischen Zustände im alten Tierheim sind verheerend. Es fehlt ein Untergrund aus Beton, der sich leichter reinigen lassen würde. Derzeit prägen Kies und Erdboden das gesamte Gelände. Die Reinigung ist enorm aufwändig. Einen Wasserablauf gibt es nicht. Im neuen Tierheim wird es zum Beispiel einen riesigen Kunststoff-Behälter (Zisterne) geben, in dem der Hundekot gesammelt wird. Alle paar Wochen wird dieser dann geleert. Das wird nicht nur den Tierheim-Mitarbeitern ihre tägliche Arbeit erleichtern, sondern insgesamt auch für mehr Hygiene sorgen.

Bis heute wurde in Sachen Tierheim-Neubau trotz länderspezifischer Eigenheiten, Bauvorschriften und Sprachbarrieren schon viel erreicht. Alle Genehmigungen und Architektenpläne liegen vor, die

Aktuell ist das neue Gelände vollständig eingezäunt, eine Betonplatte so gut wie fertig und im März beziehungsweise April (je nach Wetter) sollen die Baumaßnahmen weitergehen. Bis letztendlich die Zwinger für die Unterbringung der Hunde fertiggestellt werden können, müssen jetzt noch folgende Arbeiten erledigt werden:

  • Betonplatten legen
  • Wasserversorgung gewährleisten
  • Abwasserkanäle graben und betonieren
  • Wasserbassins platzieren
  • Quarantäne-Station realisieren

Die nun bevorstehenden Bauvorhaben, die für die EU-konforme Unterbringung der Tiere erforderlich sind, bringen für den Förderverein enorm hohe Kosten mit sich. 185.000 Euro wurden für die 7.000 Quadratmeter Fläche kalkuliert, um darauf die Auslauf- und Zwinger-Abschnitte zu betonieren, Abwasserrinnen zu legen, die Wasserversorgung sicherzustellen sowie Abwassergruben und die elementare Quarantäne-Station zu bauen. Der teuerste Bauabschnitt steht dem Verein damit erst noch bevor und muss jetzt finanziert werden. 

Derzeit fehlen noch massig Spendengelder, um diese riesige Summe bereitzustellen. Spenden ist derzeit wichtiger denn je für den Verein. Denn die Hunde müssen schnellstmöglich vom alten Gelände runter! Die Grundstücksbesitzer sind bereits ungeduldig. ZIEL: Das neue Tierheim soll noch 2017 bezogen werden! 

Hier könnt ihr direkt spenden und den Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung e.V. unterstützen

Hier ein kleiner Einblick in die Finanzwelt des rumänischen Tierheims und welche Kosten jeden Monat gedeckt werden müssen:

  • Futter:  Am 9. Juli 2016, also am Tag unserer Abreise kamen 3,5 Tonnen Hundefutter an, die über Geldspenden bezahlt wurden. Leider reicht diese Menge gerade einmal für zwei Wochen. Man kann sich vorstellen, wie viel Geld hier regelmäßig benötigt wird. Jeden Monat sind über 3.000 Euro für die Hundenahrung erforderlich.
  • Löhne: Über 3.000 Euro Personalkosten
  • Tierheim-Auto: ca. 400 Euro
  • Tierarzt-Rechnungen: Für Kastrationen und sonstige Behandlungen muss mit bis zu 2.000 Euro gerechnet werden. Denn es werden monatlich reichlich Straßenhunde kastriert und medizinisch versorgt.
  • Transporte von Hilfsgütern: ca. 200 Euro

Fazit und Schnappschüsse zur Mädels-Truppe

Kurz vor Ende meiner Beitragsreihe möchte ich die Gelegenheit nutzen und mich bei allen, die im Juli 2016 mit dabei waren ganz ganz herzlich bedanken. Mulțumesc : ) !!!

Ich habe mich super wohl und bestens aufgehoben gefühlt in dieser Woche. Der Zusammenhalt war phänomenal. Es war klasse zu sehen, wie harmonisch eine Gruppe aus über zehn Frauen zusammenarbeiten kann. Es gab keinen einzigen Zicken-Krieg, kein Gejammere, kein Gemotze. Nichts. Stattdessen beherrschten Teamwork, Engagement und Zielstrebigkeit den gesamten Aufenthalt.

Alle zogen an einem Strang und wussten genau, was zu tun war. Jeder hat sich seine Arbeit gesucht und tat, was in seiner Macht stand, um den Straßenhunden und natürlich den Rumänen, die in Campulung so hart für das Tierwohl kämpfen, unter die Arme zu greifen. Es war für mich persönlich eine außergewöhnliche Erfahrung, die ich niemals vergessen werde!

Ich denke seit meiner Reise ständig an die zahlreichen Hunde. Und auch wenn es sich viele vielleicht nicht vorstellen können: Jeder dieser acht Beiträge hat mich viel Kraft gekostet. Nicht weil es anstrengend war diese Zeilen zu schreiben, sondern weil ich ein sehr emotionaler Mensch bin, wenn es um das Wohl von Tieren geht. Die Bilder dieser Reise erinnern mich an die Zustände vor Ort und den schier endlosen Handlungsbedarf. Es ist schwer einen solchen Ort zu verlassen, wenn man weiß, was noch alles bevor steht. Und noch schwerer darüber zu schreiben. Und das obwohl ich längst nicht die schlimmsten Szenarien gesehen habe. Dem Tierheim in Campulung geht es verhältnismäßig gut im Vergleich zu anderen Einrichtungen.

Eines steht für mich dennoch fest: Es war nicht das letzte Mal, dass ich Campulung besucht habe. Ich möchte das neue Tierheim unbedingt mit eigenen Augen sehen! Denn gerade wenn man das alte Gelände kennt und weiß, wofür der Verein seit Jahren kämpft, will man natürlich unbedingt erleben, wenn das große Ziel endlich Realität wird. Ich bin mega gespannt und drücke Elke und ihrem Team die Daumen, dass dieses Jahr alles nach Plan verläuft und der Umzug starten kann.

Nun komme ich aber wirklich zum Punkt (naja fast ; ):

DANKE für alles Mädels!!! Ihr seid wunderbar!

(Das Gruppenfoto entstand auf dem Gelände des neuen Tierheims)

Zum Abschluss ein Video

Zum Abschluss habe ich ein Video von den Pfötchen Campulung integriert. Es gibt so ziemlich genau das wieder, was ich selbst in Campulung gesehen und erlebt habe. Es stammt vom Helfereinsatz 2015. Als ich das Video zufällig entdeckt habe, kamen mir die Tränen. Auch heute, ein gutes halbes Jahr nach meiner Reise, bekomme ich noch immer Gänsehaut. Ich stand auf den gleichen Straßen, blickte ebenfalls in zahlreiche Hundeaugen und versuchte so gut ich konnte zu helfen, um den großen Traum vom neuen Tierheim für Campulung voranzutreiben. Also schaut es euch unbedingt an und ihr werdet schnell verstehen, warum mich diese fünf Tage so sehr geprägt haben:

Danke an dieser Stelle an die Pfötchen Campulung dafür, dass ich euer wundervolles Video einbinden durfte : ) Ihr habt das wunderschön arrangiert.

Weiterführende Informationen

Ihr wollt mehr zum Verein Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung e.V. erfahren? Hier alle Links zu den bisher bei fello.de veröffentlichten Beiträgen. Darunter das mehrteilige Interview mit der Gründerin des Vereins Elke Grafmüller. Unbedingt lesen! Darin erfahrt ihr alles, was ihr zum Verein wissen müsst:

  1. Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 1: Fahrt nach Campulung
  2. Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 2: Der erste Tag in Campulung
  3. Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 3: Der erste Tag in Campulung
  4. Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 4: Der zweite Tag in Campulung
  5. Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 5: Der zweite Tag in Campulung
  6. Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 6: Tag 3 in Campulung
  7. Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 7: Tag 4 in Campulung

 

Direkt zur Vereinsseite des Fördervereins Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung geht´s hier lang!

 

Ich hoffe euch hat diese umfangreiche Beitragsreihe gefallen und ich konnte euch damit einen Einblick in den unendlich wichtigen Auslandstierschutz ermöglichen. Ich wünsche mir, dass möglichst viele für das rumänische Tierheim spenden, um den Hunden ein besseres Zuhause zu geben.

Viele Grüße,

Gaby

 

Falls ihr zu den Hintergründen meiner Reise und wie es dazu kam mehr erfahren wollt, empfehle ich folgende Artikel:

Vorschau: Maya – Unsere Hündin aus Campulung

Während meiner Reise hätte ich nie gedacht, dass ich schon bald einen eigenen Hund halten würde. Denn unser Vermieter hat das über fünf Jahre nicht erlaubt. Ende 2016 änderte er dann seine Meinung und Maya zog bei uns ein. Die Hündin stammt ebenfalls aus dem Tierheim in Campulung, was mich überglücklich macht! Künftig möchte ich über Maya und ihre Fortschritte berichten. Ich freue mich darauf : )

 

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