29.10.16

Tag zwei im rumänischen Tierheim Asociatia Anima in Campulung war super aufregend wegen dem Tierarztbesuch inklusive Kastration. Heute geht es um den dritten Tag vor Ort, wo ich größtenteils im Lagerraum beim Sortieren von Spenden half. Außerdem erfahrt ihr in diesem Beitrag, was die Katakomben sind und warum viele Rumänen ihren Hunden ein Teil des rechten Ohrs abschneiden.

Patienten- und Welpen Versorgung

Der dritte Tag begann damit, dass wir die tierischen Patienten im Medi-Bereich versorgten. Das Wasser in den zahlreichen Näpfen musste gewechselt, Futter gerichtet und Kot entfernt werden. Auch bei den „Halbstarken“, wie wir die Junghunde in einigen Zwingern gerne nannten, wurden von uns gleich morgens besucht, um den Mitarbeitern vom Tierheim ein bisschen tägliche Routine-Arbeit abzunehmen. Bei der Fütterung merkte man gleich, dass alles nach dem Motto geht „Friss oder stirb„. Wer nicht schnell genug ist, bekommt nichts ab. Deshalb wird das Trockenfutter auch gerne im gesamten Zwinger auf dem Boden ausgestreut, damit auch diejenigen eine Chance auf Futter haben, die sich nicht vordrängeln, um an die Näpfe zu gelangen. Man erkennt beim Füttern nach wenigen Sekunden, wer sich durchsetzen kann und wer nicht. Einige versuchen es erst gar nicht an die Näpfe zu kommen, weil sie von den anderen von vorne herein verdrängt werden.

Teilweise sind einfach zu viele Tiere auf einmal in einer Zone, sodass man schnell den Überblick verliert, wer schon etwas Futter erwischt hat und wer nicht. Es wuselt überall um einen herum. Durch die „Streu-Methode“ geht man sicher, dass zumindest die Grundversorgung von den Schwachen sichergestellt ist. Wir haben die schwächeren Rudelmitglieder separiert und sie extra gefüttert. Schon bei den Kleinsten gibt es einige, die sich wie die großen Chefs aufspielen und mit vollem Bauch noch die schwächeren Geschwister vom Fressen abhalten. Man konnte gut beobachten, dass es in der Natur kein Pardon gibt.

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Wenn wir zwischendurch Zeit hatten, versuchten wir den Welpen ein bisschen Aufmerksamkeit zu schenken. Sie hatten keine Mutter mehr und waren völlig auf sich allein gestellt. Eigentlich bräuchte man jemand, der ihnen den ganzen Tag zur Seite steht, ihnen regelmäßig Zuneigung und Körperkontakt spendet, damit sie sich nicht völlig vom Menschen entwöhnen. Denn leider ist es oft so, dass die Kleinsten, die von Beginn ihres Lebens im Tierheim sind, scheu werden. Die Vermittlung wird deshalb sehr schwer. Hätte man genug Leute, die sich um die sinnvolle Gewöhnung an den Menschen kümmern könnten, würde das ihre Chancen auf ein besseres Leben steigern. Doch einige davon entwickeln sich zu extrem scheuen Tieren, die man kaum aus ihren Zwingern rausbekommt, weil sie sich noch nicht einmal anfassen lassen. Ein tragischer Teufelskreis.

Verlust: Welpe an Parvovirose gestorben

Leider begann der Tag mit einer unerfreulichen Entwicklung. Einer der Welpen, der bereits aufgrund der Ansteckung mit Parvovirose entsprechend behandelt wurde, lag im Sterben. Ich ging gerade durch den Medi-Bereich, als ich Christine im Quarantäne-Container sah, wie sie einen leblosen Welpen inspizierte. Ich ging dazu, weil ich wissen wollte, was los ist. Christines Blick verriet bereits, dass sie nichts Gutes zu berichten hatte. Sie klärte mich auf, dass es der Kleine nicht schaffen würde. Es war einfach nur traurig. Wie ich ja schon im dritten Teil der Beitragsreihe erklärte, kann Parvovirose bereits nach 24 bis 48 Stunden tödlich verlaufen. So auch in diesem Fall. Christine konnte nichts mehr tun. Sie half dem leidenden Tier und gab ihm etwas, damit es etwas schneller geht und sich das arme Tier nicht unnötig quälen muss. Es war so schrecklich dastehen zu müssen und einfach machtlos zu sein. Der Welpe starb.

Arbeitsplatz Storage Room

Und obwohl ich hätte heulen können und mir die Tränen beim Anblick des Welpen längst in den Augen standen, musste es weiter gehen. Heulen hilft leider keinem. Schon gar nicht den Tieren vor Ort oder der Zukunft des Tierheims. Wir waren gekommen, um etwas zu bewegen und dieser Antrieb half mir diese furchtbare Situation nüchtern zu betrachten. Ich erinnerte mich in diesem traurigen Moment an den Tod meines ersten Hundes Abel. Er starb mit 15 Jahren an einer schweren Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Er starb in meinen Armen und es war für mich ein so schwarzes Erlebnis, dass ich niemals vergessen werde. Ich war nah dran, Rotz und Wasser zu heulen und um den Welpen zu trauern, der schon nach so kurzer Zeit wieder gehen musste. Aber ich rappelte mich auf und riss mich zusammen, weil es noch so viel zu tun gab. der Lagerraum wartete auf uns und deshalb heilt ich mich nicht länger mit dem Verlust auf. Ich verdrängte es einfach und ging zum Storage Room.

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Dort angekommen, wurden die Ärmel hochgekrempelt und los ging´s! Zwischen 10.30 Uhr und 15 Uhr an diesem Tag arbeiteten wir im Lagerraum durch, um voran zu kommen. Es gab jede Menge Spenden bestehend aus Futter, Decken, Handtüchern, Halsbändern, Leckerli, Spielzeug und vieles mehr zu sortieren und aufzuräumen. Da die Sachspenden in Kartons meistens unsortiert ankommen und die Mitarbeiter keine Zeit haben sich auch noch darum zu kümmern, nahmen wir uns diesem Mammut-Projekt an.

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Unsere Aufgabe bestand darin, alle Kartons, Tüten und Kisten aufzumachen, zu checken was drin ist, die Dinge zu sortieren und anschließend möglichst sinnvoll einzuräumen. Schließlich müssen die rumänischen Tierheim-Mitarbeiter sich im Lager auch noch zurecht finden, wenn wir wieder weg sind. Daher wurde alles ordentlich aufgereiht und die Kartons auf Englisch beschriftet.

Das Futter sortierten wir nach Welpen-, Junghund- und Seniorenfutter. Handtücher zu Handtüchern, Decken zu Decken und Laken zu Laken. Während ich zum Beispiel mit Brigitte aus unserem Team einige Stunden Textilien wie Handtücher, Decken, Laken usw. aufräumte, kümmerten sich Beate und Petra aus der Gruppe parallel um Geschirre, Halsbänder, Leinen und Co. Wir teilten uns so auf, dass wir uns möglichst zügig von einer Ecke zu nächsten vorarbeiteten.

Das Chaos war am Anfang echt mega groß. Man wusste erst mal gar nicht, wo man anfangen sollte. Doch als wir mal drin waren, lief es wie am Schnürchen. Ruck zuck lichtete sich die Lagerhalle und nach und nach sahen wir zumindest mal den Anfang des Tunnels ; )

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Was während dieser umfangreichen Sortieraktion deutlich wurde war, dass nicht jede Spende sinnvoll ist und vor Ort etwas nützt. Beispielsweise packten wir Unmengen dickere Decken aus. Auch ich hatte meinen Bekannten und Freunden mitgeteilt, dass sie auch Decken spenden können, doch das war ein Fehler. Denn vor Ort werden die eigentlich gar nicht wirklich benötigt bzw. können nur schlecht eingesetzt werden. Zum einen weil es ja durch den regelmäßigen Regen sowie Kot und Urin völlig unhygienisch wäre, wenn die Hunde decken in ihrem Unterschlupf hätten. Die Mitarbeiter hier haben schlicht weg keine Zeit sich auch noch um dreckige Decken zu kümmern und diese zu reinigen.

Stattdessen haben die Hunde Holzhütten oder Plastik-Hundekörbe, die sich schnell mit dem Wasserschlauch abspritzen lassen und auch schnell wieder trocken sind. Nasse und dreckige Decken sind unpraktisch. Zum anderen wird selbst im Winter bewusst auf Decken verzichtet, weil die durch die Feuchtigkeit schnell kalt und nass sind, da die Hunde ja ständig im Dreck laufen. Es wäre daher kontraproduktiv ihre Hütten mit Decken auszustatten. Das wurde wohl alles schon ausprobiert. Mein Gedanke und sicherlich auch viele anderer Spender, das hat man ja an den Mengen der gespendeten Decken gesehen, dachten eben, dass die Hunde die Decken sicherlich brauchen, um im Winter nicht zu frieren. Doch es ist besser auf Textilien in den Gehegen zu verzichten, weil die bei der ständigen Feuchtigkeit eher dazu führen, dass die Tiere noch stärker frieren.

Handtücher, oder Baumwoll-Laken sind jedoch immer willkommen, da sie im Medi-Bereich für kranke Tiere als Unterlage täglich im Einsatz und gut waschbar sind. Einmal-Krankenunterlagen sind ebenfalls extrem hilfreich und stehen auf der Sachspenden-Liste. Große und schwere Decken lassen sich nur schlecht waschen und nirgendwo aufhängen zum Trocknen. Das sind alles Dinge, die man erst versteht, wenn man vor Ort ist. Doch entsorgt wird natürlich nichts. Die Decken bekamen die Mitarbeiter. Die freuten sich, denn viele von ihnen haben wirklich nicht viel.

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Außerdem wurde beim Sortieren klar, dass auch die Masse an Spielsachen nicht zum Einsatz kommen kann. Wir hatten Kartonweise Spielzeug für Hunde, aber auch die können oft nicht genutzt werden. Der Grund: Man kann nicht einfach Spielsachen in einen Zwinger werfen, um den Hunden Beschäftigung zu geben. Der Gedanke ist zwar gut gemeint, aber spätestens nach fünf Minuten gäbe es Mord und Totschlag, weil sich die Tiere um die Sachen streiten und sich dann direkt an die Kehle gehen. Die Mitarbeiter haben leider keine Zeit, um einzeln mit den Tieren zu spielen oder sie währenddessen zu beaufsichtigen. Stattdessen müssen sie jeden Tag schauen, dass es unter den Rudelmitgliedern keinen Ärger gibt.

Regelmäßig kommt es vor, dass Tiere tot gebissen werden. Warum weiß man nicht, aber die Streitereien um Spielsachen würden leider zum gleichen Ergebnis führen. Das Risiko ist zu groß und man muss schauen, dass man unnötige Auseinandersetzungen um jeden Preis vermeidet. Lediglich vorne beim Medi-Bereich, wo viele Jungtiere und Welpen sind, setzt das Team ab und an Spielsachen ein, um wenigstens den Spieltrieb der Kleinen zu befriedigen. Aber eben nur, wenn gerade Zeit ist, um die Spielkameraden zu beobachten und unter Kontrolle zu halten.

storage-room7Es war auch sehr schade, dass viele Halsbänder und Leinen völlig umsonst waren im Tierheim. Denn diese Sachen, werden nicht oft benötigt. Alle Hunde im Tierheim leben ohne Halsband, weil sie einfach keines brauchen. Deshalb wurde auch entschieden, dass diese Sachspenden wieder mit nach Deutschland genommen werden, um sie dort zu verkaufen. Die Einnahmen daraus werden wiederum für das Tierheim eingesetzt.

Selbst viele Leckerli wie Kauknochen, lassen sich meist gar nicht nutzen, weil es schwierig ist die Tiere zu separieren damit sie diese Sachen in Ruhe fressen können. Stattdessen würden sich die Tiere auch darum streiten und im Ernstfall gegenseitig verletzen. Alles muss so kontrolliert wie möglich ablaufen, um die Hunde vor sich selbst zu schützen. Das ist echt der Wahnsinn, aber völlig logisch. Als mir die Leute vor Ort diese Thematik erklärten, war das natürlich direkt nachvollziehbar. Aber beim Spenden meint man es halt gut und denkt gar nicht an so etwas. Kann man ja auch nicht, weil man es einfach nicht besser weiß.

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Mein Fazit ist, dass es die Spender zwar super gut gemeint haben, aber es viel sinnvoller ist, sich beim Verein bzw. Tierheim darüber zu informieren, was wirklich benötigt wird und auch nur das zu spenden. Denn: Sachen, die vor Ort nichts nützen, kosten nur unnötig Zeit zum Sortieren, nehmen wertvollen Lagerplatz weg und müssen anschleißend wieder irgendwo hingebracht oder geschickt werden, um etwas Sinnvolles damit zu machen. Wie eben zum Beispiel die Dinge zu verkaufen, um die Einnahmen für elementarere Dinge wie Futter einzusetzen. Wir haben so viele Stunden damit verbracht Sachen zu sortieren und aufzuräumen, die im rumänischen Tierheim keiner braucht, dass mir persönlich die Augen geöffnet wurden, was den Sinn und Zweck des Spendens angeht. Sicherlich geht das auch vielen anderen Vereinen und gemeinnützigen Organisationen so.

Die Lehre daraus ist klar: Nur spenden, was benötigt wird und andere Dinge lieber dort abgeben, wo sie Sinn machen. Falls auch ihr Sachspenden für rumänische Straßenhunde in Campulung spenden wollt, hier die offizielle Spendenliste mit allen Dingen, die benötigt werden:

  • HUNDEFUTTER
  • Katzenfutter (wird für Welpen verwendet)
  • Hundekörbe (NUR aus Plastik)
  • Schubkarren
  • Handtücher
  • Einmal-Krankenunterlagen
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Besuch der Katakomben

Der Sektor, den wir am Montag nicht mehr geschafft haben zu besichtigen, nennt sich Katakomben. In diesem Bereich leben auch noch mal eine Menge ehemalige Straßenhunde aus Campulung. Die Bezeichnung Katakomben entstand wohl, weil es sich um eine ehemalige Schweine-Mastanlage handelt.

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Alles ist betoniert, was hinsichtlich der Pflege und Unterbringung der Hunde einige Vorteile hat. Die Gehege sind schneller und einfacher zu reinigen und insgesamt leichter zum Überblicken, weil die Zwinger sauber getrennt und nicht wie im übrigen Tierheimgelände durch provisorisch angebrachte Trennwände selbst gebaut sind. Die Katakomben wirken deshalb etwas geordneter und übersichtlicher. Gleichzeitig gibt es Gebäudeteile, die sehr dunkel und düster wirken, was sicherlich zum Begriff Katakomben beigetragen hat.

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Während eine größere Hunde-Gruppe, ich schätze ca. 30-40, sich frei innerhalb der Katakomben bewegen darf, gibt es einige Zwinger, die vom Rest abgetrennt sind. Hier leben meist zwei bis drei Hunde in einem Abteil getrennt von den anderen. Die Aufteilung kommen uns Gästen teilweise seltsam vor, weil wir keine Erfahrung mit derartig riesigen Rudel von Hunden haben. Doch jeder Hund ist aus einem bestimmten Grund dort untergebracht, wo er ist. Alles hat seinen Sinn. Ziel der Tierheim-Leitung ist immer das gleiche: Beißereien und Schlimmeres vermeiden.

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In den Katakomben nahmen wir uns wortwörtlich der Scheiße an ; ) Wir nahmen Schaufel, Besen und Eimer zur Hand und versuchten die Sektoren, in die wir uns rein trauten, von Kot zu befreien. Einige Zwinger betraten wir nicht, da die Hunde sehr aggressiv wirkten und sicherlich nicht besonders freundlich zu uns gewesen wären, wären wir in ihr Revier eingedrungen. Es gibt Zwinger, in die ausschließlich der Tierheimleiter Iulian hinein darf, weil nur er die Hunde unter Kontrolle halten kann und weiß, wie man mit ihnen umzugehen hat. Man darf hier auch keinesfalls zulassen, dass einer der Hunde in ein anderes Gehege gelangt, weil die Hunde sich ohne zu zögern tot beißen würden.

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Ich durfte auch die sogenannten Rundum-Sorglos-Zwinger live sehen. Spender, welche die Versorgung von einem ganzen Zwinger übernehmen möchten, können das hier über eine Patenschaft tun. Für diesen Zwinger sind dann folgende Punkte bezahlt:

  • ausreichend Futter
  • ein trockener Schlafplatz
  • regelmäßige Impfungen
  • Wurmkuren
  • sicheres Gehege
  • Registrierung mit Mikrochip

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Einige Mädels von uns nutzen den Besuch in den Katakomben, um einigen Hunden Fellpflege zukommen zu lassen. Viele Tiere sind dermaßen verdreckt, dass ihr Fell heftige Klumpen und vertrocknete Platten aufweisen.

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Ein Schnappschuss mit einigen Fellnasen durfte natürlich nicht fehlen : )
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Dieser arme Tropf hier tat uns besonders leid. Sein Zustand war sehr schlecht. Er konnte kaum richtig gehen. Ein schlimmer Anblick.katakomben13

Zahnwechsel beim Welpen

Was ich bis zu meiner Rumänien-Reise noch nie erlebt habe, war das Ausspucken eines Milchzahns von einem Junghund. Er legte ihn mir direkt in die Hand. Ich saß gerade im Medi-Bereich, machte eine kurze Verschnaufpause mit einigen anderen Helfern und knuddelte währenddessen die dort lebenden Hunde. Da beschenkte mich das kleine Fellbündel mit seinem Zahn : )

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Und hier der besagte Milchzahn:

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Besitzer war diese hübsche Fellnase hier auf dem Bild mit meiner Wenigkeit:junghund-gaby

Ist das nicht süß : )

Die Junghunde nebenan legten zeitgleich übrigens auch ein Päuschen ein. Platt wie eine Flunder lagen die Kleinen in der Mittagssonne.

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Und unser Chefkoch, wie ich den Hund liebevoll während meines Aufenthaltes nannte, machte es sich auch bequem:

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Besichtigung Gelände neues Tierheim

Seit wir am Sonntag kurz nach unserer Ankunft in Campulung das Gelände besichtigten, auf dem das neue Tierheim entsteht, waren nun bereits drei Tage vergangen. Währenddessen arbeitete die beauftragte Baufirma an der Aufstellung des Zauns. Nach dem dirtten Tag hielten wir es nicht mehr aus und wir alle wollten natürlich sehen, welche Fortschritte die Arbeiter gemacht haben. Bei unserer Ankunft waren wir ja leider etwas enttäuscht, weil von einem Zaun noch weit und breit nichts zu sehen war.

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Also starteten wir nach getaner Arbeit im alten Tierheim zum neuen Gelände am Ortsausgang. Und wir wurden nicht enttäuscht! Innerhalb von knapp drei Tagen hatten die Herrschaften bereits eine Reihe der Betonierung für die Zäune fertig und die ersten Pfähle „saßen“ endlich an ihrem Platz.

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zaun7Beim kurzen Abstecher durch den angrenzenden Wald, durch den der Zaun verlaufen soll, wurde außerdem deutlich, dass ein Großteil der Vorbereitungen für die Betonier-Arbeiten erledigt war. Natürlich noch jede Menge zu tun, aber immerhin konnten wir sehen, dass etwas geht. Und das war besonders für Elke Grafmüller, Gabi Kossmann und all die anderen, die seit Jahren für dieses Mammut-Projekt kämpfen, ganz wichtig.

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Auf dem Foto seht ihr den „Türsteher“ vom neuen Gelände. Er muss hier Wache halten, um zu verhindern, dass Zigeuner den Zaun beziehungsweise Baumaterialien klauen. Kein Witz!zaun6

Am Ende der Führung übers Gelände erklärte uns Elke noch etwas unfassbar Grausames, was ich gar nicht glauben wollte. Aber wie heißt es immer „Andere Länder andere Sitten“. Einige Rumänen schneiden ihren Hunden ein Stück vom rechten Ohr ab. Ihr fragt euch genauso geschockt, wie ich, warm die das machen?? Die Antwort ist kurios: Sie tun das, weil sie überzeugt davon sind, dass dieses Vorgehen gegen Tollwut hilft und davor schützt. Ist das zu fassen? Da sieht man mal, wie schlecht informiert viele der Einheimischen bis heute sind. Einfach unglaublich : (

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Zum Abschluss etwas Humorvolles

Man soll sich seine Laune ja nicht verderben lassen, hab ich gehört. Und obwohl der dritte Tag von einigen Tiefpunkten geprägt war,  musste ich beim Vorbereiten dieses Beitrags schmunzeln. Schuld ist das folgende Foto. Irgendwie steht es für mich sinnbildlich für die ehrenamtliche Tierschutzarbeit, die so viele freiwillige Helfer im Ausland leisten. Elke Grafmüller, die 1. Vorstandsvorsitzende und Gründerin des Fördervereins „Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung e.V.“, mit der ich dieses Jahr in Rumänien war, sowie alle anderen Helferinnen, die ich kennenlernen durfte, müssen schon seit Jahren mit den Problemen vor Ort kämpfen und es ist oft zum Verzweifeln. Aber sie geben nicht auf, sondern machen stets das Beste aus der Situation. Aber auch für das Leben allgemein, hat dieses Foto irgendwie eine symbolische Aussagekraft.

Wie der Hund es im Schubkarren hier vormacht, kann einem die Scheiße sprichwörtlich bis zum Hals stehen, man hat trotzdem immer die Wahl, ob man cool bleibt und versucht das beste draus zu machen, oder ob man ausflippt. Und ausflippen war noch nie eine gute Option. Zumindest im negativen Sinn. Dieser Hund lebt nicht gerade in der perfekten Welt und hinter ihm stapelt sich die Hundescheiße in Säcken. Doch was macht er? Er genießt die Sonne und sucht sich einfach den besten Platz in der Umgebung aus. Und das war in seinem Fall der vorgewärmte Schubkarren. Als ich das Bild nach meiner Reise anschaute, musste ich lachen. Dieser Hund (und alle anderen) ist für mich ein Vorbild in Sachen Lebenseinstellung. Passender könnte es doch nicht sein oder?

In diesem Sinne sage ich tschüss bis zum nächsten Blogbeitrag auf fello.de. Danke, dass ihr bis hierher gelesen habt. Ich freue mich über jeden Leser, dem ich die Tierschutzarbeit mit dieser Beitragsreihe ein bisschen näher bringen und authentische Eindrücke vermitteln kann.

Bis bald : ) Demnächst folgt Teil 7 zu meinem vierten Tag in Campulung, Rumänien.
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Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 1: Fahrt nach Campulung

Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 2: Der erste Tag in Campulung

Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 3: Der erste Tag in Campulung

Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 4: Der zweite Tag in Campulung

Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 5: Der zweite Tag in Campulung

Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 7: Tag 4 in Campulung

Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 8: Letzter Tag in Campulung

Direkt zur Vereinsseite des Fördervereins Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung geht´s hier lang!

Falls ihr zu den Hintergründen meiner Reise und wie es dazu kam mehr erfahren wollt, empfehle ich folgende Artikel:

Vereinsvorstellung „Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung“ – Interview Teil 1

Vereinsvorstellung „Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung“ – Interview Teil 2

Vereinsvorstellung „Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung“ – Interview Teil 3

Vereinsvorstellung „Freundeskreis der Straßenhunde in Campulung“ – Interview Teil 4

Hunde im Ausland – Teil 1 – Situation vor Ort

Hunde im Ausland – Teil 2 – Ehrenamtliche Tierschützer

Hunde im Ausland – Teil 3 – Interview mit Laura Wehner

Hunde im Ausland – Teil 4 – Fazit & Notfall-Liste

2 Kommentare für “Tierheimbesuch Asociatia Anima Rumänien Teil 6: Tag 3 in Campulung”

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