Katze

15.04.15

Die Schilddrüsenüberfunktion kann bei Katzen zu erheblichen Organschäden und im schlimmsten Fall zum Tod führen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt wird. Deshalb habe ich für euch die typischen Symptome aufgeführt und weitere Informationen rund um diese Krankheit zusammengestellt.

Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen?

Bevor ich auf die Symptome der Schilddrüsenüberfunktion eingehe, möchte ich erklären, was das überhaupt ist. Während die Erkrankung vor den achtziger Jahren nahezu unbekannt war, weiß man heute, dass es sich bei der Feline Hyperthyreose, wie die Krankheit im Fachjargon genannt wird, um eine der häufigsten Hormonstörungen der Hauskatze handelt. Besonders ältere Katzen sind betroffen. Beim Großteil der Fälle kommt es zur eindeutigen Diagnose im Alter ab acht Jahren.

Die Hyperthyreose kommt häufig aufgrund von Knoten innerhalb der Schilddrüse zustande. Diese Knoten sind oft gutartig. Allerdings bleiben die Veränderungen innerhalb der Schilddrüse, die letztendlich zu solchen Knoten führen können, nicht immer positiv. Das kleine Organ, die Schilddrüse, die sich nahe am Kehlkopf am Hals befindet, schwillt an. Diese Vergrößerung allein ist noch harmlos.

Problematisch wird es dann, wenn eine Wucherung der hormonbildenden Zellen zustande kommt. Diese aktiven Zellen produzieren Thyroxin, ein Hormon, welches für den Energiestoffwechsel essentiell und damit lebensnotwendig ist. Thyroxin ist für die Fett- und Zuckerverbrennung verantwortlich. Das Hormon stellt damit die Energiegewinnung sicher und sorgt dafür dass Zellen und Organe zügig arbeiten. Bei der Hyperthyreose wird zuviel Thyroxin produziert. Das hat zur Folge, dass der gesamte Organismus von Katzen überdurchschnittlich arbeitet. Alles läuft auf Hochtouren! Die Symptome sind markant.

Symptome

Bis ein Katzenhalter über auffällige Symptome die Hyperthyreose seiner Katze bemerkt, vergehen leider oft mehrere Monate. Umso früher die Krankheit erkannt wird, desto besser! Die Symptome können sich von Tier zu Tier unterscheiden. Um euch einen schnellen und deutlichen Überblick zu verschaffen, habe ich die häufigsten und gängigsten Symptome der Feline Hyperthyreose aufgelistet, die Haltern auffällt:

  • Heißhunger: Der Appetit ist gesteigert. Viele Katzen mit Hyperthyreose fressen plötzlich Sachen, die sie bislang nicht wollten
  • Gewichtsverlust: Es scheint unlogisch, aber Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion nehmen trotz des vermehrten Fressens ab
  • Nervosität: Katzen mit Hyperthyreose wirken oft sehr nervös und unruhig. Auch eine gewisse Schreckhaftigkeit und Aggressivität ist denkbar
  • Fressverhalten: Zudem fressen die Tiere mit Schilddrüsenüberfunktion hektisch und gierig. Nicht selten kommt es nach der Nahrungsaufnahme zum Erbrechen
  • Appetitlosigkeit: Während die kranken Katzen in manchen Phasen mehr fressen, können andere Phasen auftreten, in denen die Tiere scheinbar nichts mehr fressen wollen
  • Durchfall: Befindet sich zu viel Thyroxin im Organismus kann es zu verstärkten Eigenbewegungen des Darms kommen. Die Folge ist ein übel riechender Durchfall
  • Fell: Da der Organismus verrückt spielt, wirkt das Fell kranker Katzen häufig ungepflegt und struppig. Auch ein ungleichmäßiger Haarausfall kann ein Anzeichen sein. Einige Tiere reißen sich das Fell sogar aus
  • Hecheln: Hyperthyreose verursacht bei Katzen, dass sie stark hecheln müssen, obwohl sie nur kleinste Anstrengungen vornehmen. Das liegt daran, dass ihr Körper im Vergleich zu gesunden Tieren viel mehr Sauerstsoff braucht, um die beschleunigte Verbrennung auszugleichen
  • Wasseraufnahme: Die Tiere trinken oft außergewöhnlich viel
  • Urin: Kranke Tiere lassen vermehrt Urin ab
  • Herzschlag: Der Herzschlag ist bei Hyperthyreose stark beschleunigt. Aufgrund der unnatürlichen Herzfunktion kann es zum Tod des Tieres kommen. Der Herzmuskel wird durch die pausenlose Arbeit auf Hochtouren stark beansprucht

Wichtige Untersuchungen

Um die Hyperthyreose festzustellen, sind oft keine außergewöhnlichen Untersuchungen notwendig. Der Tierarzt kann die Krankheit über eine einfache Blutuntersuchung nachweisen. Denn im Blut ist die Konzentration von Thyroxin messbar. Kann die Schilddrüsenüberfunktion über das Blut nicht nachgewiesen werden, ist es sinnvoll die Blutabnahme nach einigen Tagen oder Wochen zu wiederholen.

Bei älteren Katzen, die oft unter weiteren Erkrankungen leiden, ist der Nachweis nicht so leicht. Denn nicht selten werden die oben aufgeführten Symptome auch von anderen Krankheiten ausgelöst. In solchen Fällen greifen die Tierärzte zu weiteren Maßnahmen wie der Erstellung eines Blutbilds mit Differenzialblutbild, Urinuntersuchungen, Serumprofil, Röntgenaufnahmen vom Brustkorb sowie Bauchraum und Ultraschall.

Folgen einer unerkannten Hyperthyreose

Es ist hart, aber eine unerkannte Hyperthyreose führt in den meisten Fällen zum Tod. Zwar nicht sofort, aber früher oder später kann das Herz versagen oder das Tier aufgrund der Erschöpfung sterben. Da sich die Überfunktion der Schilddrüse auf den gesamten Organismus von Katzen schädlich auswirkt, sind markante Organschäden sehr wahrscheinlich. Aufgrund des möglicherweise auftretenden Bluthochdrucks können Katzen erblinden.

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Therapiemöglichkeiten

Damit es nicht zum Schlimmsten kommt, solltet ihr eure Katzen immer genau beobachten und lieber einmal zu viel zum Tierarzt gehen als einmal zu wenig. Die Hyperthyreose ist eine ernste Sache und darf nicht unterschätzt werden. Generell gibt es drei Therapieansätze:

  • lebenslange Medikation: hierbei bekommt das Tier regelmäßig spezielle Medikamente oral zugeführt. Die Wirkstoffe sind Carbimazol und Methimazol. Die Medikamente hemmen die Thyroxin-Produktion. Die Menge an Thyroxin normalisiert sich dabei und die Katze kann, bis auf die Einnahme der Medikamente, normal leben. Bei den Medikamenten können Nebenwirkungen wie Erbrechen, Juckreiz, Ausschlag und Appetitlosigkeit auftreten. Viele Katzen nehmen die Medikamente leider nur ungern ein, was das Verabreichen erschwert.
  • das überaktive Schilddrüsengewebe wird chirurgisch entfernt: Die OP ist nur möglich, wenn die Katze noch fit und ansonsten gesund ist. Denn das Risiko ist relativ hoch. Mögliche Folge der OP: Es wird zu viel Schilddrüsengewebe entfernt, was zu einer Schilddrüsenunterfunktion führt.
  • Radio-Jodtherapie: Bei der Radio-Jodtherapie wird Katzen radioaktives Jod (131) gespritzt. Diese Substanz dringt in die Schilddrüse vor und zerstört dort ausschließlich diejenigen Zellen, die für die übermäßige Produktion von Thyroxin verantwortlich sind. Die benötigten und normalen Zellen bleiben erhalten und können die Schilddrüsenfunktion wie gewohnt fortsetzen. Die Radio-Jodtherapie wird beispielsweise an der Universität Gießen angeboten. Ich habe euch hier die offizielle Webseite der Uni-Gießen verlinkt, wo ihr euch über den genauen Ablauf in der Klinik informieren könnt. Nebenwirkungen sind bislang keine nachweisbar. Die Uni Gießen berichtet auf ihrer Webseite aber vom Risiko für eine kaschierte Nierenerkrankung. Bevor hyperthyreose Katzen behandelt werden, müssen sie vom Tierarzt durchgecheckt werden. Denn leider kann eine Schilddrüsenüberfunktion zur Verschleierung von anderen schweren Krankheiten führen, die für eine Radio-Jodtherapie vorher ausgeschlossen werden müssen. Zwar kann man sagen, dass die Radio-Jodtherapie die wenigsten Risiken mit sich bringt, dafür müssen Mensch und Tier hierbei aber mit einer Isolationszeit von zwei bis drei Wochen klarkommen. Grund: Die Katze gilt laut deutscher Strahlenschutzverordnung als radioaktiv. Während des Klinikaufenthalts dürfen ausschließlich Mitarbeiter der Klinik zur Katze, wenn sie eine Sondergenehmigung vorweisen können. Nach der vorgeschriebenen Phase hat die Strahlung nachgelassen. Wie die Uni Gießen berichtet, kann die Therapie bei einem gutartigen Tumor in der Schilddrüse „in fast allen Fällen eine Heilung“ erzielen. Nach der Behandlung müssen die Katzen keine Tabletten gegen die Thyroxin-Überproduktion mehr nehmen und sie brauchen vorher auch keine Narkose. Kosten: Ich orientiere mich hier am Beispiel der Uni Gießen. Dort kostet die Therapie ca. 1.400 Euro. Für viele Tierbesitzer unbezahlbar.

Eine weitere Therapiemethode, über die ihr aber auf jeden Fall vorher mit eurem Tierarzt sprechen solltet, ist die Diät mit speziellen Futter. Es handelt sich um medizinisches Katzenfutter, das über einen stark reduzierten Jodgehalt verfügt. Damit kann die Funktion der Schilddrüse bei eurer Katze möglicherweise normalisiert werden. Beim meinen Recherchen bin ich auf das Futter „Hill´s Prescription Diet Feline“ gestoßen. Wenn ich richtig informiert bin, ist das bisher das einzige Produkt mit reduziertem Gehalt an Jod. Es ist speziell für Katzen mit einer Schilddrüsenkrankheit entwickelt. Auf der Webseite von Hill´s heißt es: „Die Hill’s™ Prescription Diet™ Produkte sind exklusiv beim Tierarzt erhältlich. Durch eine Beratung können Sie schnell herausfinden, welches Produkt sich am besten für Ihr Tier eignet und was Sie beim Füttern berücksichtigen sollten.“ Weitere Futtermittel in dieser Richtung habe ich keine gefunden. Falls ihr welche kennt, freue ich mich über eure Kommentare!

Weitere Fakten zur Hyperthyreose

Das sind natürlich längst nicht alle Infos, die es über Feline Hyperthyreose gibt. Da die Erklärung aller Details den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde, hier noch zehn weitere Fakten in der Kurz-Übersicht:

  1. Warum Katzen an Hyperthyreose erkranken, ist bislang nicht genau geklärt
  2. ein gutartiger Tumor (Adenom) besteht bei rund 30% aller an Hyperthyreose erkrankten Katzen an einem der beiden Schilddrüsenlappen.
  3. Veränderungen an beiden Schilddrüsenlappen kommen bei rund 70% der Katzen vor
  4. einen bösartigen Tumor (Karzinom) haben 2% der hyperthyreosen Katzen
  5. jünger als zehn Jahre sind nur 5% der Patienten
  6. Als Auslöser für die Hyperthyreose stehen chemische Substanzen unter Verdacht, die über das Futter aufgenommen werden!
  7. Zudem steht der schwankende Jodgehalt im Dosenfutter in der Diskussion
  8. Bei 15% an Hyperthyreose erkrankten Katzen spricht man von „stiller“ Hyperthyreose, weil diese Katzen nicht die typischen Symptome zeigen, sondern stattdessen eher ruhig sind, weniger fressen und nur etwas Gewicht verlieren.
  9. Zum ersten Mal beschrieben wurde die Schilddrüsenüberfunktion bei einer Katze (klinisch belegt) 1979
  10. bei anderen Haustieren, wie Hunden kommt Hyperthyreose deutlich seltener vor

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