09.05.14

Im ersten Teil meiner Reihe „Hunde im Ausland“ habe ich versucht euch einen groben Einblick in die Situation von Straßenhunden in europäischen Ländern zu geben. Im zweiten Teil, gehe ich auf die ehrenamtlichen Tierschützer ein, die sich bundesweit zusammenschließen, um den Hunden im Ausland zu helfen.  

Tierheime Deutschland vs. „Tierheime“ im Ausland

Aufgrund dessen, dass es viele nicht nachvollziehen können, warum sich so viele Menschen für Hunde im Ausland einsetzen, möchte ich noch kurz auf den Unterschied zwischen unseren deutschen Tierheimen und den Tierheimen im Ausland eingehen. Vielleicht ist es dann leichter zu verstehen, warum so viele Leute diese Situation nicht mehr mit ansehen können.

Beim Recherchieren werdet ihr sicherlich oft auf die Bezeichnungen „Tötungsstellen“ „Shelter“ und ähnliches treffen. Generell müsst ihr euch vor Augen halten, dass unsere Tierheime, wie wir sie von Deutschland kennen, nichts mit den Einrichtungen im Ausland zu tun haben. Die Hunde hausen in verdreckten Drahtboxen, haben oft kaum etwas zu essen und Liebe bekommen sie sowieso nicht. Ich möchte nicht behaupten, dass das für alle Einrichtungen gilt. Schließlich war ich ja nicht überall vor Ort. Ich bin mir sicher, dass es auch einige vorbildliche Einrichtung gibt, die man dann auch Tierheime nennen kann. Aber der Großteil dieser „Anlaufstellen“ weist katastrophale Bedingungen auf. Bei einem Großteil der „Tierheime“ die öffentlich finanziert werden, handelt es sich um illegale Tötungsstationen. Geführt werden sie durch unterbezahlte, teilweise sehr brutale und aggressive Personen ohne jegliche Ausbildung für den Umgang mit Tieren. So zumindest die Situation in Rumänien. In anderen Ländern verhält es sich ähnlich.

Bei uns in Deutschland sind solche Zustände kaum zu finden. Sicherlich gibt es auch bei uns einige Probleme, aber die sind fast nicht vergleichbar. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob es sinnvoll ist Hunde aus dem Ausland nach Deutschland zu holen. Schließlich haben auch wir volle Tierheime. Aber letztendlich muss ich sagen, dass ich beides wichtig finde: Zum einen müssen wir selbstverständlich vor der eigenen Haustüre anfangen und auch unsere herrenlose Tiere keinesfalls vergessen. Zum anderen bin ich aber der Meinung, dass wir auch nicht wegschauen dürfen und die Zustände im Ausland keinesfalls ignorieren dürfen! Wir sind Europa, wie alle immer so schön sagen. Und auch wenn es Probleme gibt, sollten wir zusammenrücken und über die Landesgrenzen hinaus schauen.

Übrigens kann es auch vorkommen, dass neben Mischlingen reinrassige Hunde in den Auffangstationen und Tötungsanlagen landen. Falls also jemand unter euch ist, der absolut keine Mischlinge möchte, muss das nicht heißen, dass ihr keinen Hund aus dem Ausland retten könnt. Bevor ihr Züchtern das Geld gebt, würde ich an eurer Stelle bei Vereinen, Tierschutzorganisationen oder ehrenamtlichen Gruppen nachfragen. Vielleicht kann euch jemand weiterhelfen!

Ehrenamtliche Helfer

Am Beispiel meiner aktuellen Erfahrungen möchte ich euch zeigen, dass sich aufgrund der Misshandlungen und Tötungen, die Straßenhunden im Ausland widerfahren, viele Menschen zusammentun, um aktiv zu helfen. Auch ich bin kürzlich auf eine Gruppe gestoßen, die sich seit mehreren Jahren für Hunde aus Ungarn und Rumänien einsetzt. Sie haben keinen Verein gegründet oder eine Organisation gebildet, wie es viele andere ehrenamtliche Helfer bereits getan haben. (Ein Beispiel ist hier Tierwald e.V. – eine Gruppe von Tierschützern, die sich für Hunde in Kroatien einsetzt.)

Diese ehrenamtlichen Helfer machen das einfach den Hunden zu liebe, weil sie nicht wegschauen wollen. Dass ich die Gruppe traf, ist ein glücklicher Zufall. Eine der Frauen, die sich für Hunde in Ungarn einsetzt, wohnt im gleichen Ort wie ich. Ihr Name ist Manuela Junker. Durch einen Kontakt im lokalen Tierheim wurde ich auf die ehrenamtliche Arbeit von ihr aufmerksam. Daraufhin traf ich mich persönlich mit ihr, um mir ihre Tätigkeiten und Maßnahmen erklären zu lassen. Frau Junker wurde beispielsweise wiederum über den Tierwald e.V. und eine damalige Bekannte auf das Thema aufmerksam und adoptiere vor vielen Jahren ebenfalls einen Hund aus dem Ausland.Wie das Leben manchmal so spielt, ließ auch sie das Thema nicht mehr los. Und ihre Arbeit begann…

Das Gespräch mit ihr war sehr interessant, aber auch gleichermaßen traurig. Denn auch wenn sie schon einige Hunde retten konnte, die heute glücklich in neuen Familien leben, warten noch so viele Tiere in den Tötungsstellen vor Ort. Die ehrenamtlichen Tierschützer versuchen so viele Hunde wie möglich nach Deutschland zu vermitteln. Das ist mal das grundsätzliche Ziel. Zudem setzen sie sich dafür ein, dass auch die Situation vor Ort optimiert wird. Neben Kastrationen bemühen sie sich um Aufklärung in den Ländern, um die Menschen dort zu sensibilisieren. Denn leider ist es vielerorts noch immer so, dass das Verhältnis zu Hunden, wie wir es in Deutschland gewohnt sind, im Ausland eine Wunschvorstellung ist. Nun möchte ich aber darauf eingehen, wie der regelmäßige Ablauf bei derartigen Vermittlungen von Hunden aus dem Ausland aussieht.

Der Ablauf von Vermittlungen

Zunächst mal gibt es Kontaktpersonen in Ungarn und Rumänien, die sogenannte Tötungslisten / Notfall-Listen erstellen. Das sind Listen mit Hunden aus mehreren Tötungsstellen, die dringend vermittelt werden müssen. Denn wenn nicht, werden sie getötet. Deshalb auch die Bezeichnung. Die Hunde warten in diversen Auffangstationen und Tötungsstellen auf ein neues Zuhause. Einige kommen auch in ungarischen und rumänischen Pflegestellen vorübergehend unter und warten dann von dort aus auf eine Vermittlung.

Die Suche nach End- und Pflegestellen

In der Regel wird ein bis zwei mal im Monat eine derartige Liste herausgegeben. Die Liste wird von Ungarn aus an die Kontaktpersonen nach Deutschland geschickt, wo unter anderem die Gruppe von Menschen auf die ich kürzlich traf ebenfalls dazugehört. Sie versuchen dann schnellstmöglich Pflegestellen (dazu im dritten Teil mehr) oder direkt Endstellen für die Tiere zu finden, also ein festes neues Zuhause. Meldet sich jemand, um einen Hund zu adoptieren, kommt es zur Vorkontrolle. Bei dieser Kontrolle besucht dann einer der Helfer die potenziellen neuen Hundehalter, um sich über die Bedingungen vor Ort persönlich ein Bild zu machen. Einige mögen diese „Kontrolle“ als übertrieben ansehen. Doch im muss sagen, dass ich es sinnvoll finde. Schließlich geht es darum ein dauerhaftes Zuhause für die Hunde zu finden. Bei der Vorkontrolle können Fragen gestellt und Unklarheiten beseitigt werden.

Transport-Vorbereitungen

Sobald feststeht, dass eine bestimmte Menge an Hunden vermittelt werden kann, wird ein Transport vorbereitet. Das Einführen von Tieren unterliegt strengen tierschutzrechtlichen Bestimmungen. Neben entsprechenden Transportbehältern, in den die Hunde transportiert werden, muss jeder Hund geimpft und gechipt sein. Gerade gegen Tollwut ist eine ordentliche Impfung enorm wichtig. Auch der ehrenamtliche Zusammenschluss, auf den ich aufmerksam wurde, ist sich der Bestimmungen und Gesetze bewusst und organisiert die Transporte streng nach den Vorschriften. Schließlich soll die Vermittlung der Tiere glatt laufen, damit die Hunde schon bald ihre neuen Besitzer kennen lernen dürfen. Die Tiere werden daher in Ungarn ordnungsgemäß transportfertig gemacht. Sie werden geimpft, gechipft, wenn möglich noch kastriert, bekommen einen EU-Pass und werden vor Ort von einem Tierarzt untersucht. Ist alles ok, kann es losgehen.

Von Ungarn aus werden die Tiere an die Grenzen gefahren. Nach dem Grenzübergang werden die Tiere von einer deutschen Kontaktperson aufgenommen. Die Hunde wechseln also das Fahrzeug. Alle Papiere werden übergeben, damit es auch in Deutschland keine Probleme gibt. Von dort aus, werden die Hunde in die entsprechende Regionen transportiert, wo hin sie vermittelt wurden. Eine dieser Übernahmestellen ist Stuttgart. Dort werden die Hunde dann von einer weiteren Person, die für Baden-Württemberg zuständig ist, abgeholt und an die jeweiligen End- und Pflegestellen gefahren. Die Hunde haben also einen langen Weg hinter sich. Je nach Bedarf legen die Hunde einen Zwischenstopp ein. Regelmäßige Pausen sind bei langen Fahrten selbstverständlich damit die Tiere ausreichend mit Wasser, Futter und Bewegung versorgt sind und sich natürlich erleichtern können.

Doch der teilweise lange Transport lohnt sich. Schließlich kommen die Hunde hier in ein neues Zuhause und entgehen dem sicheren Tod. Nachdem die Hunde von ihren neuen Familien aufgenommen wurden, findet eine Nachkontrolle statt. Dann kontrollieren die ehrenamtlichen Tierschützer ob es dem Tier gut geht, ob die Kastration erfolgte und ob die Besitzer klar kommen. Die Kastration wird fest vorausgesetzt. Dazu weiter unten mehr.

Die Schutzgebühr – Kostendeckung und Schutz

Die Schutzgebühr für die Tiere zahlen die jeweiligen Endstellen an die Person, die das Geld vorgestreckt und damit die angefallenen Kosten für Impfung, Chip und Co. bezahlt. Gewinne gibt´s hier keine. Das Geld geht von einer Hand in die nächste und deckt eben gerade die notwendigen Kosten.

Generell ist wichtig zu wissen, dass es sich bei der Schutzgebühr nicht um einen Kaufpreis handelt, wie man es beim Hundekauf beim Züchter kennt. Mit der Schutzgebühr will niemand Geld verdienen. Im Gegenteil: Es geht vielmehr darum die anfallenden Kosten zu decken, die die Organisation von Vermittlungen mit sich bringen. Schließlich kann niemand von Vereinen, ehrenamtlichen Helfern oder Organisationen verlangen, dass der finanzielle Aufwand komplett getragen wird. Wer einen Hund möchte, muss für die Unkosten aufkommen, die dabei entstehen. In der Regel setzt sich die Schutzgebühr unter anderem aus folgenden Grundkosten zusammen:

  • Impfung
  • Microchip
  • EU-Heimtierausweis
  • Kastration (evtl., kommt auf das Alter an)
  • Transportkosten
  • Futter
  • je nach dem Unterbringungskosten, Wurmkur, Floh-/Zeckenmittel, Bluttest

Die Schutzgebühr, die pro Hund fällig wird, liegt je nach Verein, Helfern oder Organisation in der Regel zwischen 200 und 400 Euro. Nagelt mich aber nicht auf den Euro fest. Denn hier kann es zu erheblichen Unterschieden kommen. Das kommt auch darauf an, wo die Tiere herkommen. Wenn man bedenkt, dass in Deutschland für die erste Impfung und eine Wurmkur schon locker 100 Euro zusammenkommen und allein das Chippen weitere 40 Euro (ca.) kostet, ist die Schutzgebühr oft sogar mehr als günstig. Grundsätzlich dienen die Schutzgebühren auch dazu, den Hundehandel konkret zu unterbinden und die Tiere vor profitgierigen Händlern zu schützen.

Straßenhund

Allgemeine EU-Vorschriften

Für jeden legalen Hundetransport ist eine sogenannte TRACES Registrierung erforderlich. Diese Registrierung dient unter anderem dem Tierschutz und der Überwachung von Transporten sowie Ein- und Ausfuhren von lebenden Tieren. Der gesamte Tierverkehr in der EU wird mit diesem Datenbanksystem überwacht. Ohne einen EU-Pass darf kein Hund über die Grenzen. Zudem ist die Menge an Hunden, die pro Fahrzeug ins Ausland (also in diesem Fall nach Deutschland) transportiert werden dürfen, streng begrenzt. Damit will man dem Hundehandel vorbeugen. Also Grundsätzlich zum Verständnis: Jede Privatperson kann sich im Prinzip für Hunde im Ausland stark machen und sie nach Deutschland holen. Dafür muss kein Verein gegründet oder einer Organisation beigetreten werden. ABER: wer das machen will, muss die erforderlichen Papiere organisieren, schauen dass die Hunde richtig vorbereitet werden und muss die Mengen an erlaubten Hunden beachten. Achtet auf diese Dinge, wenn ihr einen Hund adoptieren wollt!

Pro und Kontra privater Zusammenschlüsse

Grundsätzlich hat natürlich alles seine Vor- und Nachteile. Bei eingetragenen Vereinen und Tierschutz-Organisationen haben viele Menschen ein besseres Gefühl. Schließlich gibt es offizielle Spendenbescheinigungen, Feedback von der Presse und alles ist eben organisiert. Doch die Medaille hat auch eine Rückseite. Generell ist es oft so, dass von den Spenden beispielsweise ein Teil nicht bei den Hunden ankommt, sondern für irgendwelche Kosten drauf geht, die eben für die Organisation anfallen. Egal ob das Mietkosten, Personalkosten, Fuhrparkkosten oder sonst was ist. Bei privaten Zusammenschlüssen ist das oft nicht der Fall. So ist es auch bei dem Zusammenschluss von Privatpersonen, von der ich nun weiß. Sie haben keine Büros, keine Fahrzeuge (außer natürlich private Pkws) und kein angestelltes Personal. Alles wird aus privater Tasche finanziert und selbstständig organisiert.

Ein weiterer Vorteil bei derartigen privaten Gruppen ist, dass man sich selbst als Helfer nicht binden muss. Viele haben ja Hemmungen in einen Verein oder eine Organisation einzutreten. Nicht jeder will sich fest binden oder dauerhafte Verpflichtungen eingehen. Viele können das ja auch gar nicht wegen ihrem Job oder der Familie. Bei privaten Zusammenschlüssen macht einfach jeder was er kann.

Bei dieser Gruppe hier ist es auch so. Einer kümmert sich um die Transporte und den Kontakt ins Ausland, eine andere Helferin macht die Vor- und Nachkontrollen und die nächste Person holt die Hunde mit dem privaten Fahrzeug ab. Jeder hat seine Aufgabe und versucht diese bestmöglich zu erfüllen.

Nachteil an der ganzen Geschichte ist, dass man eben nichts Offizielles in der Hinterhand hat. Aber ist das so wichtig? Mir persönlich geht es so, dass in erster Linie das Vertrauen passen muss. Auch in einem Verein habe ich keine Garantie, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Viele Vereine sind schon in den Schlagzeilen gelandet, weil Spendengelder verschwunden sind!

Vertraut daher am besten auf euren Verstand und euer Gefühl. Recherchiert bevor ihr in Aktion tretet. Und was mir besonders gut getan hat, ist der persönliche Kontakt. Ich finde vor Ort kann man sich noch ein ganz anderes Bild machen und eher einschätzen, ob jemand mit Herzblut bei der Sache ist oder ob es eher um Profit geht. Scheut euch also nicht private Helfer, Vereine und Organisation persönlich aufzusuchen. Macht euch schlau!

Vorschau Teil 3 – Interview mit Laura Wehner

Im dritten Teil meiner Beitragsreihe „Hunde aus dem Ausland“ findet ihr ein spannendes Interview mit Laura Wehner. Sie ist eine zentrale Person in der ehrenamtlichen Gruppe, mit der ich kürzlich in Kontakt gekommen bin. Sie engagiert sich seit vielen Jahren für Hunde im Ausland und ist aktiv tätig. Da es viele Möglichkeiten gibt sich im Auslandstierschutz zu engagieren, ist ihre Position zwar nicht repräsentativ für alle Tierschützer, aber ich finde es höchst interessant einfach mal die Geschichte von jemandem zu hören, der bereits seit Langem dabei ist und bereits viele Erfahrungen sammeln konnte.

Bildquelle: Youtube Video

Hunde im Ausland – Teil 1 – Situation vor Ort

Hunde im Ausland – Teil 3 – Interview mit Laura Wehner

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