04.12.13

Dass man bereits beim ersten Kontakt mit einem Hund alles falsch machen kann, wissen viele nicht. Doch kaum jemand macht sich ernsthaft Gedanken darüber, wie Hunde eigentlich uns und die Welt wahrnehmen. Ich will euch daher ein paar Tipps erläutern, damit ihr den Erstkontakt mit Hunden in Zukunft richtig gestalten könnt.

Meine Inspiration

Ich weiß nicht ob ihr den „Hundeflüsterer“ Cesar Millan kennt. Vielleicht habt ihr schon seine Fernsehserie oder eines der Bücher von ihm gesehen bzw. gelesen. Ich jedenfalls schon und ich muss sagen, dass ich restlos begeistert bin von seiner Art mit Hunden umzugehen. Kurz gesagt: Er ist mein großes Vorbild, wenn es um Hundepsychologie und Verhaltensanalysen geht. Ich habe schon dutzende seiner Sendungen gesehen und lese gerade sein Buch „Tipps vom Hundeflüsterer*“. Jeder, der sich einen Hund zulegen möchte oder seine Fellnase erziehen möchte, sollte sich dieses Buch kaufen! Es ist gut geschrieben und vollgestopft bis oben hin mit hilfreichem Wissen. Ein kleiner Teil des Buches handelt vom Erstkontakt mit Hunden und wie man sich ihnen richtig nähert. Ich fand den Abschnitt elementar für jeden, der mit Hunden zu tun hat oder in Zukunft einen aufnehmen möchte.

Wie der Hund die Welt wahrnimmt

Ein sehr großer Fehler den wir Menschen im Umgang mit Hunden machen ist, dass wir von unserer Wahrnehmung der Welt auf die des Hundes schließen. Wir nehmen an, beziehungsweise denken gar nicht erst weiter darüber nach, dass der Hund uns genauso so „sieht“, wie wir ihn. Doch das ist ein verheerender Trugschluss, der in der Beziehung zwischen Mensch und Hund viel kaputt machen kann. Und das von Anfang an. Grundsätzlich ist festzustellen, dass der Hund kein Mensch ist, sondern ein Tier mit ganz bestimmten Instinkten. Ja das war jetzt noch nicht die große Überraschung, aber viele Halter behandeln ihre Hunde wie kleine Kinder und vermenschlichen sie quasi. Dadurch können wir den Tieren jedoch großen seelischen Schaden zufügen, ohne es mitzubekommen.

Eine wesentliche Erkenntnis, die ich aus dem Buch von Cesar entnahm, war:

Nase – Augen – Ohren

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie wichtig diese drei Wörter im Laufe der Hundeerziehung noch werden. Der Hund nimmt seine Umgebung immer zuerst über die Nase, dann über die Augen und dann über die Ohren wahr! Wir dagegen nehmen die Welt zuerst mit den Augen war. Unser Sehvermögen ist das Tor zur Welt. Für den Hund ist es die Nase. Alles läuft über Gerüche. Und nun schauen wir uns mit diesem Wissen an, wie wir Hunde meistens begrüßen.

Unsere Begrüßung von Hunden

Wir begrüßen Hunde beim ersten Kennenlernen häufig mit quietschenden Lauten, einem Haufen Wörtern und einer aufgeregten Stimmung. Wir beugen uns direkt zum Hund hinuntern, fassen ihn womöglich sogar gleich an und streicheln ihm über den Kopf. Wie würdet ihr euch fühlen? ; ) Schon bei der Beschreibung dieses Kennenlernens wird einigen unter euch ein Licht aufgehen. Diese Art der Begrüßung ist völlig falsch. Zum einen nähern wir uns dem Hund mit Lauten. Da der Hund uns aber noch nicht einmal riechen konnte, weil er dafür gar keine Zeit hatte und wir ihm die Chance dazu nehmen, ist die Begrüßung über die Stimme eine Katastrophe.

Zum anderen strahlen wir eine hektische und aufgeregte Energie aus, die der Hund ganz genau wahrnimmt. Für ihn kommt es so rüber, als hätten wir keine Ahnung. Haben wir ja auch nicht. Denn sonst hätten wir uns anders vorgestellt! Bei Hunden kommt unsere Begrüßung oft negativ und schwach an. Nicht gerade das, womit wir beschrieben werden wollen. Die Art und Weise wie wir uns Hunden vorstellen, hat schon oft dazu geführt, dass gebissen, geschnappt oder geknurrt wird. Warum? Stellt euch mal vor euch fällt gleich jemand um den Hals, begrüßt euch mit hochpiepsender Stimme und lässt euch keine Chance Luft zu holen und euch vorzustellen! Wie würdet ihr das finden? Der Hund reagiert lediglich auf eine zu schnelle und völlig falsche Vorgehensweise von uns Menschen. Wir tätscheln und streicheln sie, ohne dass sie überhaupt schon wissen, wer wir sind. Das Problem liegt bei uns, nicht bei den Hunde.

Verstärkt wird das Problem, weil wir beim Begrüßen auf den Hund zu gehen. Damit signalisieren wir ihm, dass er der Boss ist und wir uns ihm unterordnen. Aber das ist natürlich der falsche Weg. Denn ab diesem Zeitpunkt ist es gut möglich, dass euch der Hund auf der Nase herumtantzt.

So geht´s richtig!

Wir müssen unsere Begrüßung mit Hunden den Instinkten der Tiere anpassen. Statt uns mit Lauten, optischen Gesten und einer hektischen Energie zu nähern, sollten wir den Tieren die Möglichkeit geben uns korrekt kennenzulernen. Also halten wir den Mund, bleiben ruhig stehen und lassen zunächst unseren Geruch für sich sprechen. Unserem Körpergeruch entnehmen Hunde alle Informationen, die sie benötigen. Sie riechen, ob wir Angst haben, nervös, schwach, ruhig oder sicher sind. Wenn sie uns riechen, wissen sie oft mehr über uns, als wir selbst! Umso wichtiger ist es daher mit einer ruhigen und selbstbewussten Energie Hunden gegenüberzutreten.

Zudem ist es sehr wichtig, dass nicht ihr zum Hund geht, sondern der Hund die Chance bekommt zu euch zu laufen, um euch zu begrüßen. Damit signalisiert ihr gleich, dass ihr der Chef seid. Das hört sich zwar blöd an, ist aber für die weitere Erziehung und den Umgang extrem wichtig. In der Natur begegnen sich Hunde beziehungsweise Wölfe niemals frontal. Dieses Verhalten zeigen sie nur, wenn sie sich herausfordern wollen. Was lernen wir daraus? Sobald ihr frontal auf einen Hund zugeht und ihn damit begrüßen wollt, hat er bereits ein ungutes Gefühl. Zudem kommt es in der Natur nie vor, dass der Rudelführer zu seinen Rudelmitgliedern geht. Das Rudel folgt ihm und nicht umgekehrt.

Des weiteren solltet ihr Augenkontakt vermeiden und einfach warten. Der Hund wird anschließend zu euch kommen und an euch schnuppern. Ich weiß, dass es teilweise etwas unangenehm sein kann, weil Hunde auch mal im Schritt riechen ; ) Aber das ist in der Hundewelt normal und hat keinen sexuellen Grund. Hat er alle Infos die er braucht, wird er entweder bei euch bleiben, um euch näher kennenzulernen oder gehen. Je nach dem wie interessant ihr für ihn seid. Bleibt er und drückt sich an euch oder berührt euch in irgendeiner Form, dürft auch ihr endlich Zuneigung zeigen. Ich weiß, dass hört sich jetzt nach einem langen Prozess an, aber im Prinzip ist das alles in wenigen Augenblicken oder Minuten passiert. Zumindest meistens ; ) Jetzt dürft ihr ihn streicheln.

Korrekte Vorgehensweise in Kurzform:

  • nicht dem Hund nähern
  • warten bis der Hund zu euch kommt
  • kein Augenkontakt aufnehmen
  • auf ruhige und entspannte Energie achten
  • beschnuppern lassen
  • abwarten
  • nach Berührung Zuneigung erlaubt ; )

Falls der Hund geht

Falls der Hund beim Erstkontakt tatsächlich kein Interesse an euch hat und wegläuft, müsst ihr ihn gehen lassen. Es kann schlecht ausgehen für euch, wenn ihr ihm hinterherrennt und streicheln wollt. Hunde können das als aufdringlich empfinden und nach euch schnappen. Lasst ihnen Zeit. Gut möglich, dass er neugierig wird und euch näher kennenlernen will. Er wird dann auf euch zukommen.

Bedeutung des ersten Eindrucks

Wie auch in der Menschenwelt ist bei Hunden der erste Eindruck entscheidend. Nähert ihr euch falsch kann das für eure Beziehung große Auswirkungen haben. Beachtet daher eure Vorgehensweise und bedenkt: Nase, Augen und Ohren! Nehmt diese Tipps ernst. Denn sie sind wirklich elementar im Umgang mit den Fellnasen.

Ich hoffe ich konnte euch weiterhelfen und bin gespannt auf eure Erfahrungen. Wie ist es euch ergangen beim Ausprobieren? Hat alles geklappt und vor allem: wie haben die Hunde reagiert?

Ich freue mich auf eure Kommentare  : )

 

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13 Kommentare für “Erstkontakt mit Hunden – Tipps für ein korrektes Kennenlernen”

  1. Hallo Gaby,

    dein Artikel ist wirklich super! Ich werde mich jetzt erstmal durch die anderen Hundeartikel durchlesen und weiter informieren.

    LG
    Melanie

    Antworten
    • Hallo Melanie,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Freut mich wenn dir der Beitrag gefällt : )

      Falls du Themen interessant findest, die du hier noch vermisst, freue ich mich über einen Kommentar.
      Gerne gehe ich auf die Wünsche meiner Leser konkret ein.

      Viel Spaß beim Stöbern : )

      Tierische Grüße an dich

      Antworten
  2. Nadine Frank

    Hallo Gaby. Wir haben seit 2 Tagen einen Welpen (Rüde) und sind in 2 Wochen zum Geburtstag eingeladen, wo sich ein Erwachsener Rüde zu Hause fühlt. Wie sollte das Zusammentreffen mit den beiden aussehen??

    Antworten
    • Hallo Nadine,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar.

      Freut mich sehr, dass ihr euch für einen Hund entschieden habt : )

      Zu deiner Frage:

      Vorweg möchte ich sagen, dass ich natürlich kein Experte bin. Meine Antwort solltest du daher nicht als fix betrachten, sondern
      lediglich als Empfehlung und meine persönliche Ansicht.

      Grundsätzlich erst mal die Frage: Wie viele Menschen und Tiere werden generell bei der Feier sein und wird es hinsichtlihc Musik usw. sehr laut?
      Ich frage deshalb, weil ein derartiges Ereignis ziemlich stressig für den kleinen Hund werden kann. Er kennt dich ja selbst erst seit zwei Wochen, da kann es heftig werden, wenn er direkt mit einer großen Menschenmenge konfrontiert ist. Wenn du deinen Welpen mitnehmen möchtest, rate ich dir daher dazu die Gäste der Feier aufzufordern nicht alle gleich auf den Welpen loszustürmen und ihn zu streicheln. Ich weiß aus Erfahrung wie so was ablaufen kann ; ) Einen Welpen will natürlich jeder anfassen, knuddeln und das kann für so einen jungen Hund extrem belastend sein. Gerade zu Beginn der Eingewöhnung. Er muss soweiso schon mit so vielen neuen Eindrücken fertig werden. Ein fremdes Rudel Menschen, die ihn alle anfassen, ohne dass er sie kennt, wirkt auf den Hund sehr überwältigend.

      Vielleicht ist dir das alles ja schon klar, aber ich möchte es einfach dazu sagen, falls das für dich Neuland ist : ) Schau einfach ein bisschen darauf, dass der Hund die Chance hat sich zurückzuziehen. Vielleicht habt ihr ja eine Hundebox, worin er sich verkriechen kann, wenn es ihm zu viel wird. Das ist auch hinsichtlich des erwachsenen Rüden extrem wichtig.

      Nun zu deiner eigentlichen Frage:

      Die Begegnung mit dem Rüden, sollte in erster in einer ruhigen und möglichst entspannten Stimmung stattfinden. Ich weiß zwar nicht ob es für dich zeitlich möglich ist, aber mein Tipp: Wenn dein kleiner Welpe an dem Geburtstag schon mit einer größeren Menschenansammlung fertig werden muss und dazu noch einem fremden Hund begegnet, könnte das etwas viel werden. Ich würde dir empfehlen, dass du in jedem Fall vor dem Geburtstag einen ausgiebigen Spaziergang (entsprechend des Alters des Welpen) unternimmst, damit das Tier ausgelastet und in einem ausgeglichenen Zustand ist. Wenn es geht, wäre es super, wenn vor der Feierlichkeit ein gemeinsamer Spaziergang mit den beiden Hunden stattfinden könnte, wo sich die beiden kennenlernen, ohne dabei das hektische Treiben des Festes nebenher…

      Sollte das nicht möglich sein, wäre es gut, die beiden Hunde mit den jeweiligen Besitzern nicht gerade umringt von den anderen Gästen einander vorzustellen, sondern in einer möglichst unaufgeregten Umgebung. Vielleicht könnt ihr euch kurz draußen treffen oder im Garten das Treffen arrangieren…

      Wichtig ist, dass euer Welpe nicht einfach in die Wohnung des Gastgebers und damit in das Territorium des Rüden „entlassen“ und direkt abgeleint wird, bevor sich die zwei riechen konnten. Das kann vom erwachsenen Rüden schnell als unangenehm empfunden werden. Entscheidend ist, dass Hunde in der Regel schnell klären, wäre das Sagen hat. Gerade der erwachsene Rüde wird sicherlich dem Kleinen schnell erklären, wer der Chef im Haus ist. Daher keine Panik bekommen, falls der Große vielleicht eine Pfote auflegt, kurz knurrt oder anderweitig seine Dominanz zeigt. Das ist natürlich, solange es nicht bissig wird. Euer Welpe wird sich in der Regel schnell unterwürfig zeigen und vielleicht spielen wollen. Achtet darauf, dass euer Welpe dem Großen nicht auf die Nerven geht und behaltet die beiden im Auge. Ganz wichtig: Die beiden (und vor allem der Große) sollte Zeit und Gelegenheit bekommen den Welpen ausgiebig zu beschnüffeln. Nur so kann ein Kennenlernen zwischen Hunden stattfinden. Über den Geruch nehmen sie das Gegenüber wahr.

      Je nach dem, wie das Aufeinandertreffen verläuft, könnt ihr dann entscheiden, wie es weiter geht. Verstehen sich die zwei auf Anhieb könnt ihr den Welpen eventuell ableinen und frei laufen lassen damit die beiden spielen können. Läuft es nicht so gut, würde ich aufmerksam zuschauen und die Körpersprache der beiden sorgfältig beobachten.

      Und wie gesagt: wenn ihr merkt, dass es eurem Welpen zu viel wird, solltet ihr ihn zu euch nehmen und ihm Ruhe gönnen. Welpen brauchen extrem viel Schlaf und Entspannung.

      Und eins noch: Ihr solltet euren Welpen nicht auf dem Arm herumtragen, während es darum geht die beiden Hunde einander vorzustellen. Sie sollten sich auf Augenhöhe begegnen und die Chance haben sich direkt zu beschnüffeln.

      Ich hoffe sehr dir damit ein wenig helfen zu können : )

      Falls du weitere Fragen hast, melde dich gerne wieder bei mir.

      Ich wünsche dir ganz viel Freude mit deinem Hund : )

      Noch eine Buchempfehlung: „Cesar Millans Welpenschule: Die richtige Hundeerziehung von Anfang an“. Ich habe das Buch gelesen und finde die Tipps darin überaus wertvoll. Wenn du es gelesen hast, kannst du sehr viele Fehler vermeiden, die gerade in der Eingewöhnung elementar sind. Viel Spaß beim Lesen!

      Antworten
  3. Christiane Fillies

    Hallo Gaby,
    mit Deinem Artikel bin ich sehr einverstanden und wollte, alle Leute, denen ich mit meinen Hunden begegne, hätten ihn gelesen. Allerdings scheint es mir geraten, im Interesse der allgemeinen Sicherheit, von Umarmungen dringend Abstand zu nehmen. KEIN Hund mag es, umarmt zu werden und günstigstenfalls erduldet er es still, weil er an respeklose Übergriffe unserer Spezies inzwischen gewöhnt ist, aber alle zeigen deutliche Zeichen von Unwohlsein und Unsicherheit.
    Empfehle sehr gerne Patricia McConnell ‚Das andere Ende der Leine‘ und ihre YouTube Beiträge finde ich sehr anschaulich und überzeugend.
    Grüße von Anne und ihren Hunden!

    Antworten
    • Hallo Christiane,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Freut mich, wenn dir der Artikel gefällt : )
      Mit dem Umarmen gebe ich dir völlig recht. Das hab ich nicht daran gedacht beim Schreiben.
      Das Risiko, dass sich der Hund dabei unwohl fühlt und entsprechend reagiert, ist zu groß.
      Ich habe das im Beitrag entsprechend angepasst. Danke dir für den Hinweis!

      Und danke für den Tipp zwecks YouTube. Da werde ich mal reinschauen.

      Viele Grüße : )

      Antworten
  4. Hey Gaby,
    Informationen nett und gut verpackt, ohne die nicht unübliche Art, alles besser wissen zu meinen.
    Ich danke dir ganz herzlich.
    Anna

    Antworten
    • Hallo Mandy,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Den Artikel habe ich gelesen und mir das Buch von dem Autor direkt bestellt. Klingt interessant und da ich immer offen für neue Eindrücke bin, wird das von mir gelesen : )

      Allerdings kann ich keine direkten Zusammenhänge zwischen dem Artikel und den Methoden von Millan erkennen. Viele verstehen seine Vorgehensweise falsch. Ich habe seine Bücher gelesen und einen Großteil seiner Sendungen gesehen. Ich vergöttere Millan nicht und habe auch schon viele Bücher von anderen Hundetrainern und ähnliches gelesen. Aber von seinem Grundverständnis in Sachen Hundeerziehung bin ich nach wie vor überzeugt. Er will Hunden weder Angst machen noch will er, dass sich Hunde vor ihren Besitzern fürchten. Im Gegenteil, er ist zwar streng und legt auf eine konsequente Erziehung wert, legt aber gleichermaßen viel Wert auf eine gesunde Bindung zwischen Mensch und Tier. Allerdings stimme ich auch nicht in allen Punkte mit den Ansichten von Millan überein. Aber das muss man ja auch gar nicht. Ich persönlich lese viele Bücher zum Thema und ziehe mir aus der Literatur das, was ich persönlich als richtig erachte. Beispielsweise finde ich einige Teilansätze von Maike Maja Nowak auch sehr gut, andere aber wiederum eher ungünstig. Hundeerziehung ist extrem vielseitig und es gibt 100 Meinungen zu 10 Fragen ; )

      Mir ist klar, dass Millan viel hinsichtlich „Rudelführer“ lehrt und ja, vielleicht sind manche Erläuterungen nicht mehr zeitgemäß. Das kann ich nicht beurteilen, da ich kein Experte bin. Aber wie gesagt, sein Grundverständnis vom richtigen Umgang mit den Tieren ist sicherlich einen Blick wert. Er hat schon viele Hunde vor dem Tod gerettet, die völlig aus dem Ruder gelaufen sind, weil ihre Halter sie nicht erziehen bzw. nicht konsequent genug und deshalb hätten „aus dem Verkehr“ gezogen werden sollten. Daher denke ich, dass er etwas davon versteht. Dennoch versuche auch ich stets kritisch zu bleiben und bin für andere Meinungen offen.

      Was das Kennenlernen mit Hunden angeht, finde ich Millans Ansichten weiterhin elementar und würde keinen der Punkte in meinem Artikel ändern. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Das Einzige, was ich Einklammern würde, wäre der Begriff „Chef“. Das ist nicht wörtlich gemeint.

      Ich finde es super, dass auch du offen bleibst für andere Ansichten. Das ist super wichtig. Man sollte sich auf keinen Fall auf einen Hundetrainer „einschießen“ und meinen, nur was er/sie sagt ist Gesetz. Glücklicherweise gibt es die Forschung, die uns immer wieder neue Erkenntnisse liefert, sodass wir unser Verhalten anpassen und verbessern können.

      Ich kann dir empfehlen andere gute Bücher zur Hundeerziehung und dem Umgang mit Hunden zu lesen und dir dein ganz eigenes Bild zu machen. Welche Literatur für dich passend ist, musst du selbst entscheiden. Wichtig ist die Inhalte richtig einzuordnen und kritisch aufzufassen. Weder Millan noch sonst wer sind fehlerfrei. Jeder Trainer hat seine Methoden und Überzeugungen. Wenn sich Tipps gut für dich anfühlen, wunderbar! Wenn nicht, hinterfragen. Positive Bestärkung, Teamarbeit, Spaß und Konsequenz sind für mich für die Erziehung das A & O.

      Ich hoffe ich konnte dir hiermit einen Einblick in meine Erfahrungen gewähren : )

      Bist du schon weitergekommen dahingehend und hast etwas Passendes (Bücher oder ähnliches) für dich gefunden?

      Viele Grüße
      Gaby

      Antworten
  5. Hallo Gaby,

    ich bin gerade über deinen Artikel gestolpert, da wir morgen einen 12 Wochen alten Welpen kennen lernen. Ich bin sehr gespannt, wie es läuft. Was kann ich meinen Kinder noch sagen? Sie sind 5 und 8 und eher ängstlich.

    César Millan habe ich gelesen, aber noch mal so zusammengefasst, prägt es sich viel leichter ein.

    Liebe Grüße
    Simone

    Antworten
    • Hallo Simone,

      lieben Dank für deinen Kommentar. Ich war allerdings bis gestern im Urlaub, daher melde ich mich erst heute. Sorry!
      Ich hoffe die Begegnung mit dem Welpen ist gut gelaufen? Würde mich über Infos zu dem großen Tag sehr freuen : ) Bin gespannt!

      Deine Frage möchte ich dennoch beantworten, auch wenn es jetzt eher zu spät ist: Wie sich Kinder gegenüber Hunden beim Kennenlernen verhalten sollten, steht im Grunde schon in meinem Beitrag:

      Korrekte Vorgehensweise in Kurzform:

      nicht dem Hund nähern
      warten bis der Hund zu euch kommt
      kein Augenkontakt aufnehmen
      auf ruhige und entspannte Energie achten
      beschnuppern lassen
      abwarten
      nach Berührung Zuneigung erlaubt ; )

      Viele Welpen sind meistens sowieso sehr neugierig und kommen von sich aus auf uns zu. Bei ängstlichen Kindern ist es dabei umso wichtiger, das sie von Erwachsenen beim Kennenlernen der Hunde behutsam begleitet werden. Ich persönlich habe keine Kinder und bin daher vorsichtig mit Empfehlungen. Ich denke aber, dass es elementar ist, den Kindern das korrekte Verhalten mit Hunden vorzuleben. Das Beste, was du daher machen kannst, um ihnen ihre eventuelle Angst vor Hunden zu nehmen, wäre meiner Meinung nach, mit ihnen vorab in aller Ruhe das korrekte Kennenlernen mit den Vierbeinern „durchzuspielen“. Ein Kuscheltier wäre hier sicherlich eine kinderfreundliche Möglichkeit. Sind die Kids gut aufgeklärt, fühlen sie sich bestimmt sicherer, selbstbewusster und da ihr ja als Ansprechpartner dabei seid, zeigt ihr ihnen dann in der Praxis, wie es richtig geht. Kinder schauen sich ja vieles von den Eltern ab und das ist deine Chance : ) Auch für die Zukunft, falls ihr den Welpen bei euch aufgenommen habt…

      Kommen die Welpen erst einmal auf die Kinder zu und versuchen Schwanzwedelnd Kontakt aufzunehmen, dürfte es leicht fallen, das Kennenlernen positiv zu gestalten. Entscheidend ist, dass Kinder von Anfang lernen, dass sie nicht wild auf die Tiere zustürmen und schreien dürfen. Genau hier machen viele Eltern massive Fehler, was sich negativ auf die HUND-MENSCH-Beziehung auswirkt. Oft wissen die Erwachsene ja selbst nicht, was zu tun ist beziehungsweise informieren sich gar nicht. Daher finde ich es ganz toll Simone, dass du dich schlau gemacht hast!! Das spricht für dich und dass du die Situation bestmöglich gestalten möchtest. Ich hoffe es hat alles geklappt : )

      Würde mich freuen, wenn du kurz von deinen Erfahrungen berichtest.

      Ganz liebe Grüße
      Gaby

      Antworten

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