Border Collie

06.04.16

Beim Border Collie handelt es sich um eine Rasse aus der Gruppe der Hüte- und Treibhunde. Diese Tiere leisten bis heute großartige Arbeit beim Schafehüten und brauchen alternativ eine sinnvolle Aufgabe beziehungsweise reichlich Beschäftigung. Hier ein Steckbrief zu dieser Hunderasse inklusive Beschreibung.

Die Optik

Border Collies sind für ihren muskulösen, schlanken und überaus schönen Körperbau bekannt. Besonders arbeitende Tiere haben eine ausgeprägte Muskulatur. Aufgaben, die ein erhöhtes Maß an Ausdauer, Bewegung und Geschwindigkeit erfordern, sind optimal für diese Rasse. Die Tiere werden circa 50 Zentimeter hoch, wobei Rüden bis zu 58 und Weibchen maximal 50 Zentimeter hoch werden. Rund 21 Kilogramm erreichen Rüden, bis 19 Kilogramm Hündinnen.

Border Collies haben einen breiten Kopf mit mäßig kurzer Schnauze, mittelgroßen Ohren sowie Augen. Beim Großteil der Tiere sind die Augen braun. Eine Ausnahme bilden Hunde mit der Fellfarbe Blue-merle. Hier können entweder beide oder nur ein Auge blau sein. Der Schwanz reicht mindestens bis zum Sprunggelenk. Border Collies tragen ihre Rute niemals über dem Rücken.

Bezüglich der Optik gibt es laut FCI Rassestandard zweierlei Typen beim Fell: Zum einen Border Collies mit mäßig langem Fell, zum anderen Tiere mit Stockhaar (Fell mit Deckhaar & Unterwolle). Das Fell ist generell sehr dicht und angenehm weich. Hunde mit längerem Fell verfügen in der Regel über eine attraktive Mähne, lange Haare an den Oberschenkeln sowie an Ohren und Rute. Im Vergleich dazu ist das Fell im Bereich der Vorderläufe und dem Gesicht eher kurz. Die Nase hat je nach Fell eine Braune, Graue oder Schwarze Farbe.

Bezüglich der Fell-Farbe gibt es zahlreiche Varianten. Nachfolgend eine Liste mit typischen Nuancen:

  • Schwarz-Weiß
  • Australian red
  • Blue-merle (ACHTUNG: als Qualzucht bekannt!)
  • Red-merle (ACHTUNG: als Qualzucht bekannt!)
  • Blau
  • Rot
  • Lilac
  • Zobelfarben (Der Zobel ist ein Raubtier aus der Marder-Gattung mit Fell zwischen Dunkelbraun, Hellgelb und Gelbgrau)

Der Begriff „Merle“ steht hier für eine Farbvariation beim Hund, bei der unregelmäßige Flecken auf einem helleren Grundton erkennbar sind. Man nennt diesen Effekt auch Merle-Faktor. Diese Zuchtvariante ist als Qualzucht bekannt und in Deutschland verboten. Mehr dazu erfahrt ihr weiter unten unter „Krankheiten“.

Körperhaltung:

Auffällig bei einem Border Collie während seiner Arbeit ist die Körperhaltung. Die Tiere bewegen sich während dem Hüten nahe am Boden und halten ihren Kopf gesenkt. Um ein hohes Tempo erreichen zu können, das sie bei ihrer Tätigkeit benötigen, heben die Pfoten nur wenig vom Boden ab. Das fördert auch ihren schleichenden Gang beim Hüten.

Border-Collie-Sprung

Herkunft

Border Collies stammen ursprünglich aus Großbritannien und gehören zur Rasse der Hüte- und Arbeitshunde. Ihr Name verrät bereits einiges über sie. „„Border“ (= Grenze) deutet auf seine Wurzeln an der Grenze zwischen England und Schottland hin, „Collie“ (= nützliches Ding) auf seinen wertvollen Einsatz beim Schafehüten“, heißt es in einem Ratgeberartikel des Onlinemagazins der Fressnapf Tiernahrungs GmbH zum Thema Border Collie. Der Stammvater dieser Rasse soll der Hund namens „Old Hemp“ gewesen sein, der dem Züchter und Farmer Adam Telfer gehörte, zwischen 1893 und 1901 lebte und für seine außergewöhnlichen Fähigkeiten als Hütehund bekannt wurde. Bislang folgte kein Zuchtrüde dieser Rasse, dem eine größere Bedeutung zugesprochen wurde. Anerkannt ist die Rasse seit 1976. In den 70ern kam sie nach Deutschland.

Charakter und artgerechte Haltung

Ein Border Collie kann als sensibler, äußerst lebhafter, wachsamer und cleverer Hund beschrieben werden. Zudem sind diese Hunde enorm aufmerksam. Sie gelten als intelligente Arbeitstiere mit treuem, verspieltem, gehorsamem und friedlichem Charakter. Zudem kann man mit ihnen sowohl im Regen als auch im Dreck großen Spaß haben : )

Erinnert ihr euch vielleicht noch  an die „Wetten, dass..?“ Sendung von 1999? Der Border Collie Rico sorgte damals für Aufsehen, weil er auf Kommando 77 Spielzeuge anhand ihres Namens heraussuchen konnte. Später konnte er sogar in der Sendung Stern TV begeistern, weil er dort über 250 Spielzeuge korrekt zuordnete. Dieses Tier verdeutlichte die hohe Intelligenz der Rasse. Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie untersuchte Ricos Fähigkeiten Wörter zu lernen. Mit seiner Hilfe konnte nachgewiesen werden, dass nicht nur Menschenkinder das „Fast Mapping“ beherrschen, sondern auch Hunde. Mehr dazu könnt ihr auf der Internetpräsenz der Max-Planck-Gesellschaft nachlesen.

Rico ist ein gutes Beispiel für das Wesen von Border Collies und dessen besonderen Eigenschaften. Doch die damit zusammenhängenden Herausforderungen darf man nicht unterschätzen.

Herausforderungen und Chancen

Wer bereits das Vergnügen hatte und einem Border Collie bei der Arbeit mit Schafen zuschauen durfte, wird dieses Erlebnis wahrscheinlich nie wieder vergessen. Die Hunde sind dabei extrem aufmerksam, höchst konzentriert und willensstark. Es handelt sich um gezüchtete Spezialisten für diese Art von Aufgabe. Durch die Selektierung bei der Züchtung wurden den Hunden besondere Fähigkeiten verliehen. Diese können beim Einsatz als Familienhund durchaus Probleme machen, wenn sie vom Halter nicht ausreichend gefordert werden.

Ein Border Collie benötigt aufgrund seiner Gene viel Bewegung und vor allem eine sinnvolle Aufgabe. Diese Hunde sind extrem intelligent. Unterforderung kann negative Auswirkungen haben und unerwünschte Macken hervorrufen. Entscheidend ist bei der Haltung, dass Halter sich darüber im Klaren sind, dass Border Collies extrem zügig Neues lernen. Dies gilt für Positives gleichermaßen wie für Negatives. Border Collies erfordern eine klare und konsequente Erziehung.

Generell kommen die Hunde nicht mehr „nur“ als Hütehund bei Schäfern zum Einsatz. Auch im Bereich Agility-Hundesport, Obedience sowie als Familienhund können sie einen guten Job machen. Prädestiniert sind sie zudem für Hütewettbewerbe, die mittlerweile auch in Deutschland veranstaltet werden.

Voraussetzung für eine artgerechte Haltung ist, dass Hundehalter sich mit der Rasse auskennen und das Tier entsprechend fordern. Besonders aufmerksam muss mit im Zusammenhang mit Kindern sein. Border Collies wurden lange Zeit ausschließlich in Richtung Hütehund gezüchtet, weshalb die genetische Ausrichtung bis heute sehr stark ist. Dies darf man bei der Anschaffung eines solchen Hundes niemals vergessen.

Bekommt ein Border Collie keine Aufgabe und liegt den halben Tag nur in der Wohnung herum, wird er unglücklich und unausgeglichen. Das hat schwere seelische Folgen. Marotten sind dann zu erwarten. Sobald diesen Tieren keine Beschäftigungsmöglichkeit geboten wird, suchen sie sich selbst eine. Aufgrund ihres Hütetriebes ist es zum Beispiel keine Seltenheit, dass sie sich an Radfahrern zu schaffen machen oder versuchen Kinder zu „hüten“. Und dann kann es gefährlich werden.

Wichtig ist beim Erarbeiten eines artgerechten Alltags für diese Hunderasse, dass die Tiere kooperativ „arbeiten“. Sie sind darauf spezialisiert gemeinsam mit ihrem Schäfer die Schafe zu treiben und beisammen zu halten. Wer den Border Collie unter Kontrolle halten will, sollte seine Reaktionsfähigkeit auf optische und akustische Reize nutzen. Die Rasse reagiert auf diese Reize wesentlich sensibler als andere Hunde. Pfiffe hört er selbst auf große Entfernung. Optische Reize nimmt er extrem zügig wahr. Und genau das kann zum Problem werden. Beispielsweise macht ein Border Collie keinen Unterschied zwischen Schaf und Jogger, Kind oder Radfahrer. Sobald sich irgendwo etwas bewegt, reagiert der Hund und sein angeborener Trieb kommt zum Vorschein. Für den Halter ist das nicht immer einfach. Konsequenz, viel Übung und angemessene Alternativen sind gefragt.

Border-Collie2

Unverzichtbare Pausen

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, Border Collies bräuchten den ganzen Tag Beschäftigung, möchte ich an dieser Stelle auch auf die elementaren Ruhephasen der Hunde hinweisen. Eine ständige Anstrengung ohne Entspannungsphasen kann sehr gefährlich werden. Bedenkt, dass ein Schäfer seinen Schafhüter-Experten auch nicht 24 Stunden am Tag 365 Tage im Jahr braucht. Ausreichend Schlaf- und Ruhephasen sind ein Muss! Die Pausen sind besonders deshalb wichtig vom Halter einzuhalten, weil beim Border Collie die Fähigkeit selbst zu erkennen, wann die eigene Belastungsgrenze überschritten ist, regelrecht weggezüchtet wurde. Die Hunde spüren einfach nicht, wann genug ist und würden womöglich eher an einem Herzinfarkt sterben, als rechtzeitig mit dem Training aufzuhören.

Vorteilhaft an Border Collies ist ihre hohe Sensibilität. Sie reagieren feinfühlig auf Kommandos (vorausgesetzt die Erziehung ist von Anfang an konsequent) und lassen sich bei entsprechender Haltung davon schnell beeindrucken. Dies gibt dem Hundehalter die Chance seinen Hund rechtzeitig abzurufen. Gleichzeitig müssen Besitzer aber ebenfalls sehr feinfühlig sein. Auf wütende und brüllende Menschen reagiert der Border Collie meist ängstlicher als andere Rassen und das Vertrauen ist bei falschem Verhalten schnell dahin.

Das erste Lebensjahr darf nicht von zu viel Sport und anspruchsvollen Aufgaben geprägt sein, damit sich Gelenkapparat und Skelett optimal entwickeln können.

Pflege

Das Fell ist pflegeleicht und wetterfest. Wer seinen Border Collie regelmäßig bürstet und nur selten badet, wird von einem gepflegten Hund profitieren. Zu oft baden sollte vermieden werden, da ansonsten der von Natur aus bestehende Schutzfilm der Unterwolle Schaden nimmt.

Krankheiten

Der MDR1-Defekt tritt bei Border Collies häufiger auf. Tiere, die darunter leiden, können ein bestimmtes Protein nur schlecht oder gar nicht synthetisieren. Dadurch reagieren die Hunde gegenüber einigen Medikamenten überempfindlich.

Darüber hinaus sind die Tiere mit dem Merle-Fell oft von Blindheit oder Taubheit geplagt. In Deutschland darf diese Art der Border Collies deshalb nicht gezüchtet werden! Achtet bei der Auswahl eures Züchters daher genau auf die Fellfarbe. Wird diese Fellfarbe angeboten, ist der Züchter unseriös.

Weitere Krankheiten beim Border Collie sind:

  • Canine CeroidLipofuszinose (CL, Stoffwechselerkrankung mit tödlichem Ausgang, unheilbar)
  • Trapped Neutrophil Syndrome (TNS, Knochenmarkserkrankung)
  • Collie Eye Anomaly (CEA, Augenerkrankung, vererbbar)

Diese drei Erkrankungen können durch Untersuchungen nachgewiesen werden.

Grundsätzlich gelten Border Collies aber als robust. Lediglich die Augen können, abgesehen von den genannten Krankheiten, häufiger Probleme machen, weil sie sich vergleichsweise schnell entzünden.

Fazit zum Border Collie

Besonders Menschen, die sportlich aktiv sind und eine hohes Maß an Durchsetzungsvermögen haben, werden Freude an einem Border Collie und umgekehrt haben. Neben der körperlichen Auslastung ist die geistige Förderung unverzichtbar. Gleichzeitig benötigen Border Collies nach getaner Arbeit auch ausreichend Phasen zum Ruhen. Sobald ein Border Collie den Alltag erhält, den er benötigt, kann er ein sehr treuer Freund sein, der mit seinem überaus klugen, charmanten und lebensfrohen Charakter begeistert.

Menschen, die dazu neigen Hunden vieles durchgehen zu lassen oder generell wenig Konsequenz bei der Erziehung zeigen, sollten sich besser für eine andere Rasse entscheiden. Der Border Collie braucht eine klare Führung, an der er sich orientieren kann. Ansonsten kann er relativ schnell außer Kontrolle geraten und zum „Problemhund“ werden, was aber nicht am Tier, sondern am Mensch liegt. Diese Rasse erfordert einen adäquaten Umgang, eine entsprechende Erziehung, Ruhe, Sicherheit, Beständigkeit, Rücksicht und Erfahrung vom Hundehalter. Könnt ihr das alles erfüllen, ist der Border Collie durchaus auch als Familienhund geeignet.

Bitte beachtet das bei der Auswahl eines Border Collies. Nur so könnt ihr diesem Tier das zuhause bieten, das er für ein glückliches Hundeleben braucht.

Tipp: Border Collie ist nicht gleich Border Collie. Mittlerweile wird die Rasse auch vielerorts in Richtung Familienhund gezüchtet, wodurch die klassischen Hüte-Eigenschaften abgemildert sind. Informiert euch daher detailliert über die individuellen, rassespezifischen Eigenheiten.

Bildquelle v.o.n.u.: pathomemagazine, 825545, 825545 / pixabay.com

5 Kommentare für “Border Collie – Steckbrief mit Rasse-Beschreibung”

  1. Melanie Zacheres

    Wow sehr informativ und schöne Bilder. Unser Sammy ist auch ein Collie, mit 15 kg aber ein sehr kleiner dafür wahnsinnig verspielter Rüde.
    LG
    Melli

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  2. Liebe Gaby!

    der Steckbrief mit der Rasse Beschreibung des Border Collies ist dir super gelungen! Ich habe natürlich auch die über Perser Katze gelesen, welches genau so informativ ist wie diese hier. Aber mein Herz schlägt noch ein bisschen höher für Hunde… einfach großartige Tiere, die immer doppelt soviel Liebe zurück schenken, wie man gibt!

    Ich bin glücklicher Besitzer einer French Bulldogge. Border Collie war am Anfang auch heiß im Rennen, aber am Ende haben wir uns dann doch für die etwas gemütlichere French Bulldogge entschieden. Vom Charakter her passen wir auch viel besser zusammen. Mag etwas komisch klingen, aber ich sehe viele Parallelen mit meinem Hund (Rex) und mir. Außer, dass sein Name um einiges spannender und gefährlicher klingt als meiner…

    Freunde von mir haben sich im letzten Sommer (2015) einen Border Collie geholt und sind super glücklich diese Entscheidung getroffen zu haben. Die beiden sind wahre Sportjunkies und zusammen ergeben sie ein super Team. Denn alle drei passen gut zusammen und man merkt, wie gut es dem Border Collie geht. Echt schön sowas zu sehen. Überhaupt finde ich, dass der Border Collie ein sehr schöner Hund ist; so anmutig! Und ich finde er sieht auch aus wie „der klassische Hund“, oder nicht?

    An den sonnigen Tagen verbringen wir alle viel Zeit im Garten. Und dieses Jahr haben wir extra für Rex eine neue Hundehütte gekauft für draußen (schlafen tut er schon im Haus), aber für sonnige Nachmittag ist es perfekt. Apportieren ist einfach sein Lieblingspiel und wenn er keine Lust mehr hat, dann geht er in so eine Hundehütte. Super Lösung für uns alle.

    Ganz liebe Grüße 🙂

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    • Hallo liebe Angelina,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Freut mich, dass dir meine Beiträge gefallen und du darin Wissenswertes gefunden hast. Wie du auch schön beschrieben hast, muss die Rasse beziehungsweise der Mix aus Rassen immer möglichst gut zum Halter passen. Nicht jeder wird mit einem Border Collie glücklich und auch nicht jeder mit einem Dackel. Das Team aus Mensch und Hund sollte eben einfach stimmen und charakteristisch harmonieren.

      Ich persönlich bevorzuge ja stets Hunde aus dem Tierschutz, da es meiner Meinung nach so viele Hunde gibt, die ein zuhause suchen. Darunter findet man auch immer wieder tolle Hunde, dessen Rassen sich ziemlich gut deuten lassen.

      Ich wünsche dir weiterhin alles Liebe für dich und deinen Hund : )
      Lasst es euch gut gehen.

      LG Gaby

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