18.06.13

Zum Thema Diabetes bei Haustieren habe ich in den Beiträgen „Diabetes bei Haustieren“ und  „Behandlung von Diabetes bei Katzen“ berichtet. Heute will ich euch näher zur Diabetes-Erkrankung bei Hunden informieren.

Diabetes bei Hunden – Caniner Diabetes mellitus

In der Medizin nennt man die Diabetes Erkrankung bei Hunden „Caniner Diabetes mellitus“. Umgangssprachlich wird die Krankheit auch als „Hundediabetes“ oder die erkrankten Tiere als „Zuckerhunde“ bezeichnet. Die Symptome habe ich im ersten Beitrag zum Thema bereits beschrieben. Schätzungen zufolge leiden rund ein Prozent aller Haushunde an der Krankheit. Überwiegend sind unkastrierte, erwachsene Hündinnen betroffen.

Im Gegensatz zu Katzen erkranken Hunde hauptsächlich am Diabetes Typ 1. Diesen nennt man auch insulinabhängigen Diabetes mellitus. Hierbei produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder sogar gar kein Insulin mehr. Vorwiegend kommt die Erkrankung bei erwachsenen Hunden vor. Die Tiere benötigen dann immer Insulin.

Zwar könnten Hunde an allen Formen von Diabetes erkranken, doch der Diabetes Typ 2 kommt sehr selten vor. Leider sind die Diabetes Formen beim Hund irreparabel. Zumindest ist das der Regelfall. Die gute Nachricht ist aber, dass viele Hunde trotzdem gut weiterleben können, weil sie unter einer eher unkomplizierten Form von Diabetes leiden. Sie kann durch eine intensive Einstellungsphase gut behandelt werden.

Häufiger betroffene Rassen

Die Hunderassen Cairn Terrier und Samojede haben eine erhöhtes Diabetesrisiko.

Die Diagnose

Im Gegensatz zu Katzen wird eine Messung des Fructosamin-Gehaltes eher selten zur Feststellung der Erkrankung bei Hunden genutzt. Beim Hund kann die Diagnose vom Tierarzt meistens mit einer herkömmlichen Messung des Blutzuckerspiegels vorgenommen werden. Das Tier muss für die Messung nüchtern sein.

Behandlung mit Insulin

Wie bei der Katze muss die Erkrankung beim Hund durch Insulin-Injektionen behandelt werden. Bei Hündinnen wird der Tierarzt zu einer Kastration raten. Ist eine Hündin nicht kastriert sorgt die Progesteron-Bildung während des Sexualzyklus für eine Verschlechterung des Zustandes. Dies liegt daran, weil das Hormon Progesteron, das von den Eierstöcken ausgeschüttet wird, die Bildung von Wachstumshormonen anregt. Das Wachstumshormon hemmt die Insulin-Wirkung!

Würde man die Kastration nicht durchführen, wird es sehr schwer bzw. fast unmöglich die Hündin richtig und langanhaltend auf Insulin einzustellen. Die Hormone würden das Bild ständig verfälschen und durcheinander bringen. In seltenen Fällen kann es sein, dass die Krankheitssymptome nachlassen nachdem die Eierstöcke entfernt wurden. Bei Rüden ist eine Kastration nicht notwendig.

Zu Beginn der Behandlung mit Insulin wird versucht den Hund auf Insulin einzustellen. Die ideale Insolindosis muss ermittelt werden. Dies sollte vom Tierarzt überwacht werden und durch ein Tagesprofil stattfinden. Damit dies gelingt, ist die regelmäßige Kontrolle der Blutzuckerwerte  wichtig. Die Verhinderung einer lebensgefährlichen Unterzuckerung (Hypoglykämie) und Folgeschäden stehen im Mittelpunkt.

Wie auch bei Katzen wird die Insulingabe zweimal täglich nach der Fütterung empfohlen. So nimmt der Hund auf jeden Fall ausreichend Kohlenhydrate zu sich. Welches Insulin-Präparat verwendet wird, sollte der Tierarzt entscheiden. In Deutschland gibt es allerdings nur ein zugelassenes Präparat. „Caninsulin®“ enthält Insulin vom Schwein. Dieses ist dem Insulin des Hundes sehr ähnlich.

Grauer Star

Als Folge von Diabetes kann beim Hund der Graue Star auftreten. Dabei handelt es sich um eine Trübung der Augenlinse, die häufig direkt sichtbar wird. Dies kann bis zur Erblindung führen. Unbedingt beim Tierarzt berichten, sobald die ersten Anzeichen sichtbar werden. Der Graue Star kann behandelt werden.

Hunde

Insulin und Spritzen

Das Insulin muss im Kühlschrank aufbewahrt werden, da es auf Temperaturen empfindlich reagiert. Vor dem Spritzen muss das Präparat leicht hin und her gerollt werden. So löst sich das Insulin. Außerdem müssen zwingend geeignete Spritzen verwendet werden. Alle weiteren Infos erhaltet ihr beim Tierarzt. Der wird euch auch zeigen, wie ihr spritzt. Wichtig ist es die Stellen zum Spritzen zu wechseln. Nehmt ihr immer die gleiche Stelle könnten sich Entzündungen bilden. Im Prinzip ist das genauso, wie bei uns Menschen ; )

Tabletten

Bei Hunden ist die Behandlung mit Tabletten nicht möglich.

Blutzucker messen

Der Blutzuckerwert wird mit Blutzuckermessgeräten komfortabel gemessen. Bei Hunden ist das Messen und die Kontrolle des Wertes zwar nicht so extrem wichtig, wie bei Katzen, trotzdem ist das Verfahren ratsam. Gerade in der Einstellungsphase darf darauf keinesfalls verzichtete werden. Generell sollte jedem Halter bewusst sein, dass eine gefährliche Unterzuckerung beim Messen des Blutzuckers auffällt. So könnt ihr schnell reagieren, falls sich die Werte negativ verändern. Je nach Fall ist der empfohlene Abstand der Messung zeitlich unterschiedlich. Auch hier solltet ihr euch vom Tierarzt beraten lassen. Er wird euch in der Einstellungsphase begleiten und die Werte regelmäßig prüfen.

Informiert euch über geeignete Messgeräte beim Tierarzt. Lasst euch Geräte empfehlen und schaut anschließend im Internet danach. Manchmal bekommt man sie dort günstiger. Die Geräte sind einfach zu bedienen und euer Hund wird es nach ein paar Mal ohne Probleme mitmachen. Es wird ein kleiner Blutstropfen vom Ohr entnommen, was der Hund kaum oder gar nicht mitbekommt.

Zucker und Ketokörper im Urin messen

Empfehlenswert ist es den Urin auf Zucker und Ketokörper zu kontrollieren. Mit Teststreifen geht das relativ einfach.

Die Unterzuckerung

Kommt es zur Unterzuckerung könnt ihr das nicht nur am Wert erkennen. Hunde beginnen zu zittern, werden unruhig und leiden unter Bewegungsstörungen. Außerdem kann ein großer Hunger darauf hindeuten. Was könnt ihr tun? Bietet dem Tier Futter an und sorgt für eine Erhöhung des Blutzuckerwertes. Dieser kann kurzfristig in die Höhe getrieben werden durch Traubenzucker, Zuckerwürfel, Honig und Glukosesirup. Am besten verdünnt direkt ins Maul geben. Einen Zuckerwürfel könnt ihr auch direkt geben.

Daher ist es empfehlenswert stets ein solches „Notfallmittel“ griffbereit zu haben. Auch unterwegs! Eine Unterzuckerung kann schließlich auch bei bereits eingestellten Hunden vorkommen. Die Gefahr besteht und dessen müsst ihr euch bewusst sein. Wird die Unterzuckerung nicht sofort behandelt, wird es sehr gefährlich. Es handelt sich dabei um einen akuten Notfall. Könnt ihr die Symptome nicht stoppen und der Blutzuckerwert steigt nicht, ist der direkte Weg zum Tierarzt die letzte Rettung!

Das Futter

Damit die Behandlung mit Insulin-Spritzen funktioniert und das Mittel seine volle Wirkung entfalten kann, sind weitere maßgebliche Dinge zu ändern. Zum einen muss Übergewicht schnellstmöglich (aber natürlich auf gesunde Art und Weise!) abgebaut werden. Gleichermaßen ist Untergewicht natürlich schlecht und muss ebenfalls ausgeglichen werden.

Zum anderen ist das Fütterungsverhalten anzupassen. Futtermenge und Fütterungszeit sollten festgelegt und nicht mehr verändert werden. Jede Veränderung beeinflusst die Wirkung von Insulin. Außerdem muss spezielles Diabetes-Futter gefüttert werden. Eine rohfaserreiche Diät kann von Vorteil sein. Ich empfehle euch zu Beginn – lasst euch von eurem Tierarzt des Vertrauens beraten.

Generell gilt:  kohlenhydratarmes Futter senkt den Insulinbedarf.

Weitere Informationen

Betrifft euch das Thema kann ich euch die Seite zuckerhunde.de empfehlen. Dort findet ihr viele weitere Infos rund ums Thema Diabetes bei Hunden. Darunter Tipps zu Messgeräten, Spritzen und Co.

Bleibt dran und habt Geduld. Mit der Hilfe eures Tierarztes und eurem Engagement habt ihr gute Chancen, dass euer Hund ein vitales und gesundes Leben führen kann.

Bildquelle: Anna Rosin  / pixelio.de

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